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Die Geschichte der Fliegeruhren

19.05.2016 von
19.05.2016 von

Die Luftfahrt ist zweifellos eine der größten technischen Errungenschaften der Menschheit, die nur durch Erfindergeist und Leidenschaft möglich wurde. Da ist es durchaus naheliegend, dass im 21. Jahrhundert Uhren und Luftfahrt irgendwie zusammenzugehören scheinen – einerseits durch Marketing-Kampagnen, in denen Piloten die Hauptrolle spielen, andererseits aufgrund des größeren Bewusstseins für die Geschichte der Uhrmacherei. Von all den verschiedenen Uhrentypen, die heutzutage auf dem Markt sind, haben Fliegeruhren wohl die turbulenteste Geschichte.

Vor fast 115 Jahren eroberten einige der speziell entwickelten Modelle, die es auch heute noch gibt, die Lüfte und dienten dabei als unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand. Die Uhren der Piloten waren im Cockpit ein wichtiges Instrument und stehen heute für eine Zeit, in der das Fliegen noch aufregend war und legendäre Uhren entworfen wurden. Wir wollen nun anhand ausgewählter Stücke, die von vielen Uhrenliebhabern verehrt werden, die Geschichte der Fliegeruhren nachvollziehen.

Cartier Santos-Dumont

Fachleute und Kenner gehen davon aus, dass die Geschichte der Fliegeruhr 1904 in Paris mit dem berühmten brasilianischen Flugpionier Alberto Santos Dumont begann. Mit zunehmender Erfahrung als Pilot stellte Santos Dumont bald fest, dass sich die Taschenuhr in der Luft als unpraktisch erwies. Also bat er Louis Cartier, ihm eine an seine Anforderungen angepasste Armbanduhr anzufertigen.

Wie die Uhren der heutigen Santos-Kollektion hatte auch die erste Santos-Dumont nicht das typische Fliegeruhr-Design, sondern ein Zifferblatt mit römischen Zahlen in einem quadratischen Gehäuse mit der unverkennbaren Saphir-Cabochon-Krone. Dennoch spielte sie eine Schlüsselrolle in der Evolution der Fliegeruhren, da sie ja schließlich die allererste war. Außerdem trug sie zur steigenden Beliebtheit der Armbanduhr bei, denn die Öffentlichkeit fragte sich angesichts des Zeitmessers von Santos Dumont, was er da eigentlich an seinem Handgelenk trug.

Blériots Überquerung des Ärmelkanals

Nach Santos Dumont schrieb der französische Luftfahrtpionier Louis Blériot Geschichte, als er 1909 in seinem Eindecker den Ärmelkanal überflog, was ihm das von der englischen Zeitung Daily Mail ausgelobte Preisgeld in Höhe von 1.000 Pfund einbrachte. Und auch bei diesem Meilenstein war eine Uhr zugegen:

Mit an Bord war eine sehr leicht ablesbare Zenith an Blériots Handgelenk. Blériot war danach voll des Lobes für die Handwerkskunst und Messgenauigkeit der Zenith, was dazu führte, dass in die Armaturenbretter französischer Flugzeuge Instrumente vom Typ Zenith Montre d’Aéronef Type 20 eingebaut wurden.

Rückkehr zur Taschenuhr

Im Ersten Weltkrieg kehrten die Fliegeruhren dann kurzzeitig von den Handgelenken zurück in die Taschen, da im Krieg Genauigkeit über Komfort ging. Doch die Fliegeruhren sollten schon bald wieder am Armband getragen werden. Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg fanden sich viele neue Einsatzmöglichkeiten für Flugzeuge, wie z. B. die Postzustellung oder Schädlingsbekämpfung, neben den gelegentlichen übermütigen Darbietungen der Kunstfliegerei und den Unternehmungen von Piloten, die schaffen wollten, was noch nie zuvor einem Menschen gelungen war.

Longines Lindbergh

Einer dieser Männer war Charles Lindbergh. Während seiner 33 Stunden und 30 Minuten dauernden Alleinüberquerung des Atlantiks in der Spirit of St. Louis stoppte Longines, der damalige offizielle Zeitnehmer der Olympischen Spiele, die Zeit. Nach dieser legendären Reise arbeitete Lindbergh mit Longines an der Entwicklung einer moderneren, präziseren Navigationsuhr auf Grundlage der bis dahin verwendeten Weems-Uhren. Diese Uhr kam 1931 auf den Markt und erleichterte die Positionsbestimmung beim Überfliegen von Wasser erheblich. Es versteht sich von selbst, dass die Longines Lindbergh weithin als eine der bedeutendsten Fliegeruhren aller Zeiten gilt.

B-Uhren im Zweiten Weltkrieg

1939 brachen mit Beginn des Zweiten Weltkriegs erneut konfliktreiche Zeiten an. Damals kam ein durchaus beeindruckender Zeitmesser auf, der in engem Zusammenhang mit den Gräueln des Krieges stand: die Beobachtungsuhr. Diese Uhren wurden von den Piloten der Luftwaffe getragen. Doch trotz ihrer Geschichte wird ihr Design immer noch als eines der besten funktionellen Uhrendesigns aller Zeiten gepriesen. Sie erfüllt einfach alle Anforderungen an eine Fliegeruhr.

Mit ihren großen Leuchtzeigern ist sie auch unter widrigen Bedingungen leicht ablesbar, das zuverlässige Taschenuhrwerk in einem 55 mm großen Gehäuse bietet höchste Präzision und alle wichtigen technischen Details sind von innen in die Gehäuserückseite eingraviert. Es wird angenommen, dass insgesamt fünf Manufakturen B-Uhren hergestellt haben: Laco, Wempe, Stowa, A. Lange & Söhne sowie IWC Schaffhausen. Für viele gilt die B-Uhr als das wichtigste Vorbild für moderne Fliegeruhren wie der IWC Big Pilot und die Neuauflagen von Laco bzw. Stowa, zumindest was die Optik anbelangt.

All diese historischen Momentaufnahmen veranschaulichen, wie bedeutend die Rolle der Fliegeruhr in den Anfangstagen der Luftfahrt, für die Militärluftfahrt und beim nie endenden Streben der Menschheit nach der Verwirklichung des Unmöglichen war. Beim Anlegen einer Fliegeruhr begreift man sofort, warum viele Sammler so besessen von diesen am Handgelenk getragenen Wunderwerken sind: Sie versetzen uns in faszinierende vergangene Zeiten zurück.

Ein kleines mechanisches Gerät verbindet uns schlagartig mit Ikonen wie Santos Dumont, der eine praktische Alternative zur Taschenuhr wünschte, oder Lindbergh und Blériot, denen Unvorstellbares gelang, aber auch mit den finsteren Zeiten des Krieges. So entsteht für den Träger ein absolut einzigartiges Erlebnis – insbesondere, wenn dann auch noch Wissbegierde und Begeisterung hinzukommen. Fliegeruhren sind als Sammlerobjekte eine Klasse für sich und verdienen zweifellos Ihre Aufmerksamkeit.

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