06/03/2022
 5 Minuten

1.000-Euro-Uhr vs. 10.000-Euro-Uhr: Wo liegen die Unterschiede?

Von Donato Andrioli
Rolex-Datejust-vs-Tissot-Gentleman-2-1

Sie sehen die steigenden Uhrenpreise und fragen sich, welchen ikonischen Zeitmesser Sie sich überhaupt noch mit Ihrem hart erarbeiteten Geld leisten können? Das Chrono24 Magazin hat sich die Frage gestellt und zieht den ultimativen Vergleich zwischen einer günstigen Einsteigeruhr unter 1.000 EUR und einer DER Uhrenikonen überhaupt. Kann das günstige Modell da mithalten?  

What’s the difference between a $1,000 entry-level watch and a $10,000 luxury watch?
Was ist der Unterschied zwischen einer 1.000 EUR Einsteigeruhr und einer 10.000 EUR Luxusuhr?

1.000 Euro vs. 10.000 Euro: Gleiches Design, günstigerer Preis?

Die Tissot Gentleman Powermatic 80 und die Rolex Datejust 41 Ref. 126300 könnten optisch nicht ähnlicher sein; doch während die Tissot Einsteigeruhr unter 1.000 EUR zu haben ist, kostet die ikonische Rolex-Uhr mittlerweile über 10.000 EUR. Ich möchte beide Uhren miteinander vergleichen und ein für alle Mal die Frage klären: Was ist der Unterschied zwischen einer 1.000-Euro-Einsteigeruhr und einer 10.000-Euro-Luxusuhr? 

Vom generellen Design könnten beide Uhren Zwillinge sein: Beide haben ein sehr ähnliches Gehäuse und Zifferblattdesign. Dank der bombierten Lünette, des teilpolierten Bandes und eines Datums auf der rechten Seite sind beide Kandidaten perfekte Alltagsuhren, die jedoch auch bei besonderen Anlässen eine tolle Figur machen. Auch die Maße sind ähnlich: Die Tissot Gentleman hat einen Durchmesser von 40 mm, eine Höhe von 11,5 mm und einen Lug to Lug, also Auflagefläche, von 48 mm. Bei der Rolex Datejust 41 ist hingegen nicht alles, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch wenn die 41 im Namen es nicht unbedingt erahnen lässt: die Rolex Datejust hat in Wirklichkeit einen Durchmesser von nur 39,5 mm und einen Lug to Lug von 47,5 mm. Die Rolex Datejust 41 ist insgesamt also tatsächlich etwas kleiner als der Tissot-Konkurrent. Mit 11,7 mm Höhe ist die Rolex zwar minimal dicker, doch insgesamt finde ich die Maße des Rolex-Allrounders ein klein wenig harmonischer und durchdachter als beim günstigen Pendant. Mit dem Glasboden, welcher einen Blick in das Uhrwerk der Tissot gewährt, bietet die Einsteigeruhr theoretisch mehr als der über 10.000 EUR teure Konkurrent. Typisch für Rolex verzichtet die Datejust 41 auf einen durchsichtigen Gehäuseboden. Das könnte für den einen oder anderen Uhrenträger vielleicht etwas schnöde wirken; mir persönlich ist ein langweiliger Stahlboden jedoch bei einer Uhr deutlich lieber als ein nicht schön anzusehender Glasboden. Das sichtbare Werk der Tissot Gentleman ist nicht wirklich etwas fürs Auge. Es hätte mir persönlich deutlich besser gefallen, wenn Tissot sich für einen Stahlboden mit Gravuren entschieden hätte. Auch wenn die Tissot Gentleman wirklich sehr eigenständig ist: Insgesamt sind die Designs der beiden Allrounder-Uhren fast zum Verwechseln ähnlich: Einzig die unverkennbare Zykloplupe der Rolex Datejust 41 sticht deutlich hervor und ist das sichtbarste Alleinstellungsmerkmal. 

At first glance, one might mistake the Tissot Gentleman for a Rolex Datejust.
Die Tissot Gentleman könnte auf den ersten Blick auch eine Rolex Datejust sein.

1.000 Euro vs. 10.000 Euro: Ist die Qualität von Rolex zehnmal besser?

Bei der Qualität von Uhren ist Rolex meiner Meinung nach unerreichbar. Vor allem was die generelle Haptik angeht, macht ihnen niemand in der Luxusuhrenwelt so schnell etwas vor. Ist dann ein Vergleich dieser beiden Uhren in puncto Qualität überhaupt sinnvoll? Ja, denn die Tissot Gentleman hat erstaunlicherweise mehr zu bieten, als ich vermutet hätte. Vor allem das Gehäuse fühlt sich extrem hochwertig an. Dieses ist etwas anders gestaltet als beim Rolex-Pendant. Während die Flanken der Rolex Datejust 41 völlig hochglanzpoliert sind, hat sich Tissot für ein mattes Finish entschieden. An den oberen Kanten befinden sich polierte Fasen, die optisch hervorstechen und schön anzusehen sind. Der gute Eindruck der Uhr setzt sich beim Zifferblatt fort: Dieses ist mit sehr viel Liebe zum Detail verarbeitet. Die Indizes bestehen aus Stahl und sind appliziert, sogar das Datumsfenster hat in der inneren Kante nochmal eine Edelstahlumrandung. Ich bin begeistert, wie aufwändig das Zifferblatt der Tissot Gentleman Powermatic 80 verarbeitet wurde; das ist wirklich schön anzusehen und in dieser Preisklasse von Uhren eher ungewöhnlich. 

Die Rolex bietet hingegen Logos und Indizes aus Weißgold. Bei solch einer teuren Luxusuhr sind derlei feine Details zwar ein Muss, mit dem Auge sind diese aber wohl kaum wahrnehmbar. Das Band der Tissot Gentleman fällt bei der Qualität deutlich ab. Es kann nicht im Geringsten mit dem Rolex-Armband mithalten. Das Rolex-Band ist extrem massiv, auf der Haut fühl sich der Stahl jedoch seidenweich an. Die Schließe ist pure Perfektion: Allein schon, wenn Sie diese betätigen, werden Sie beim lauten, satten Klick-Geräusch die reinste Freude verspüren. Vor allem in den kleinen Details spielt die Rolex Datejust 41 in einer ganz anderen Liga als die Tissot Gentleman. Führen Sie sich aber bitte noch einmal vor Augen: die Rolex kostet über 10.000 EUR, die Tissot nicht einmal 1.000 EUR! Dafür liefert der Tissot-Allrounder eine erstaunlich gute Arbeit, vor allem in puncto Gehäuse und Zifferblatt hat mich die Tissot Gentleman begeistert.  

When it comes to quality and haptics, nothing beats Rolex.
Bei der Qualität und der Haptik ist Rolex unerreicht.

1.000 Euro vs. 10.000 Euro: Kann die Tissot Gentleman mit der Rolex Datejust mithalten?

Es dürfte Sie nicht überraschen: Die Rolex Datejust 41 ist im Hinblick auf Technik über jeden Zweifel erhaben. Darum möchte ich mich in diesem Punkt mehr auf die Tissot Gentleman Powermatic 80 konzentrieren, diese weiß nämlich auch technisch zu überzeugen. Bei der Wasserdichtigkeit mag sie nicht ganz an die 150 Meter der Rolex Datejust 41 herankommen, doch 100 Meter Wasserdichtigkeit sind für den Alltag mehr als ausreichend. Genauso wie die Rolex-Uhr, bietet Tissot ein kratzfestes Saphirglas. Das modifizierte ETA-Werk bietet satte 80 Stunden Gangreserve, ganze 10 Stunden mehr als beim Rolex-Pendant. Dank der Siliziumspirale ist das Werk antimagnetisch.  

Insgesamt kann das Werk aber nicht mit dem hauseigenen Rolex-Kaliber der Datejust 41 mithalten. Auch Feinheiten, die das Leben eines Uhrenträgers angenehmer gestalten, fehlen bei der Tissot. Etwas Praktisches wie die Easy-Link Funktion des Rolex-Armbandes suchen Sie bei der Tissot Gentleman leider vergebens. All die Vorzüge des Tissots-Allrounders sind für eine Uhr in dieser Preisklasse jedoch wirklich bemerkenswert. Das Gesamtpaket, welches Tissot hier geschnürt hat, kann sich absolut sehen lassen. Die hohe Gangreserve und die Siliziumspirale sind sogar in höheren Preisregionen alles andere als selbstverständlich. Das verbaute ETA-Werk ist extrem zuverlässig und einfach zu warten, so entstehen keine großen Kosten bei einer Revision. Gerade bei einer Einsteigeruhr unter 1.000 EUR ist dieser Vorteil extrem wichtig. Da sowohl Tissot als auch ETA zum Swatch-Konzern gehören, könnte das Werk zudem sogar als eine Art In-House Werk angesehen werden. Wie stehen Sie dazu?   

The Tissot Gentleman has a lot to offer in the technical category, even if it gets several deductions in style points.
Die Tissot Gentleman hat technisch eine Menge zu bieten, auch wenn es kleine Abzüge in der B-Note gibt.

Was ist der Unterschied zwischen einer 1.000 EUR und einer 10.000 EUR Uhr?

Auch wenn sie in Sachen Materialien, Manufakturwerk, Qualität und Haptik nicht die Klasse der Rolex Datejust 41 erreicht: Die Tissot Gentleman ist eine tolle Einsteigeruhr, die mich beim Anprobieren wirklich erstaunt hat. Das Gehäuse, das Zifferblatt und die Indizes überzeugen mit erstaunlich hohem Qualitätsniveau. Das Werk bietet mehr als genug Gangreserve. Mit 100 Metern Wasserdichtigkeit und Saphirglas ist die Tissot extrem alltagstauglich. Wie die Rolex ist auch sie der perfekte Allrounder für alle Situationen. Nur beim Armband und der Schließe gibt es deutliche, qualitative Abstriche. Die Rolex Datejust 41 bietet Ihnen hingegen in allen Punkten reinste Perfektion: Feinste Materialien, eine perfekte Optik, eine unerreichte Haptik und ein hauseigenes, penibel entwickeltes Manufakturwerk, welches mindestens 10 Jahre ohne Revision auskommt. Das Schönste, was Ihnen die Rolex allerdings bietet, ist ihre große Historie, das Prestige hinter der berühmten Luxusmarke und die großen Emotionen, die Sie beim Tragen der Uhr verspüren werden. Letztendlich ist das der größte Unterschied zwischen einer Uhr unter 1.000 EUR und einem Modell über 10.000 EUR. Dinge wie Logos und Indizes aus Weißgold sind zwar kleine, liebevolle Details, mit dem Auge sind diese jedoch kaum wahrnehmbar. Die Emotionen, die jeder Luxusuhrenliebhaber beim Tragen einer solchen geschichtsträchtigen Uhr empfindet, sind jedoch unbezahlbar. Eine 1.000-Euro-Uhr aus dem Einsteigerbereich kann das nicht bieten, doch die Tissot Gentleman ist die wahrscheinlich beste Einsteigeruhr unter 1.000 EUR, die Sie kaufen können. 

The Rolex Datejust 41: the go-to watch for perfectionists
Die Rolex Datejust 41: die Alltagsuhr der Perfektionisten

Über den Autor

Donato Andrioli

Als ich mit der Tudor Black Bay 41 meine erste mechanische Uhr kaufte, begann für mich eine neue große Leidenschaft. Besonders begeistern mich ikonische Uhren, die eine interessante Geschichte vorweisen können.

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