01/04/2021
 4 Minuten

24h an meinem Handgelenk: Tom Mulraney

Von Tom Mulraney
24h an meinem Handgelenk: Tom Mulraney

24h an meinem Handgelenk: Tom Mulraney

Ich schreibe nun schon seit mehr als zehn Jahren Uhren-Reviews und mechanische Uhren sind mein Leben. Aus diesem Grund ist es mir etwas peinlich, zuzugeben, dass ich aus meiner eigenen Sammlung eigentlich nur zwei Uhren regelmäßig trage. Das hat zum Teil auch mit COVID-19 zu tun. Sowohl privat als auch beruflich spielt sich ein großer Teil meines Lebens inzwischen online oder innerhalb meiner eigenen vier Wände ab. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal bei einer Veranstaltung oder einem eleganten Dinner war. Im Moment trage ich jeden Tag dasselbe schwarze T-Shirt und dieselben Jeans (praktischerweise besitze ich für jeden Tag der Woche ein schwarzes T-Shirt) – und immer öfter auch jeden Tag dieselbe Uhr. Zu meiner Verteidigung möchte ich vorbringen, dass die Uhr, von der ich spreche, ausnehmend gut zu meinem aktuellen Look passt.

Es gibt aber noch weitere Gründe, warum mir diese beiden Uhren so viel bedeuten. Zwar haben alle meine Uhren einen hohen ideellen Wert für mich, jedoch sind mir diese zwei besonders wichtig. Sicher wird jeder Uhrenfan, der diesen Artikel liest, das bestätigen. Der Favorit ist vermutlich nicht die schickste oder teuerste Uhr in der Sammlung, aber es ist die eine Uhr (oder zwei oder drei), die sich am Handgelenk einfach anders anfühlt. Sie macht gute Laune, erinnert an glückliche Zeiten oder aber an einen besonderen Moment, wie z. B. einen großen persönlichen Erfolg. Egal warum, diese Verbindung ist der Grund für meine Begeisterung für mechanische Uhren.

Omega Seamaster Automatic aus den 1960er-Jahren
Omega Seamaster Automatic aus den 1960er-Jahren

An dieser Stelle möchte ich Ihnen die beiden Uhren vorstellen, die ich regelmäßig trage.

Mein erster Favorit ist eine vergoldete Omega Seamaster Automatic aus den frühen 1960er-Jahren. Eigentlich ist an dieser Uhr nichts besonders Bemerkenswertes, aber sie verfügt über ein so attraktives Design, das sie meiner Meinung nach überaus gut hat altern lassen. Sie passt zu allem, auch zu modernen Outfits. Ein schicker Anzug dazu, und schon hat man eine stilvolle Uhr, mit der man auch heute noch reichlich Komplimente einheimsen kann. Aber das ist nicht der Grund, warum ich sie trage. Diese Uhr ziert mein Handgelenk sehr häufig, weil ich sie von meinem italienischen Großvater geerbt habe. Und der war, nach allem, was ich über ihn weiß, ein immer tadellos gekleideter Gentleman mit einer Vorliebe für stilvolle Dinge. Leider konnte ich ihn nicht wirklich kennenlernen, da er kurz nach meiner Geburt starb. So seltsam es klingen mag: Meine Verbindung zu ihm lebt in dieser Uhr weiter. Diese Verbindung ist es auch, die meine Begeisterung für mechanische Uhren entfachte und mich durch mein Leben begleitet.

Ich bekam diese Uhr als junger Mann geschenkt und begann mich wegen ihr intensiver mit der Welt der mechanischen Uhren zu beschäftigen. Ich bin sicher, die meisten Leute in der Uhren-Community stimmen mir zu, wenn ich sage, dass man hier in ein ganz schönes Labyrinth gerät, sobald man erst einmal die Nase hineingesteckt hat. Es dauerte nicht lange, da verbrachte ich im Internet Stunden in verschiedenen Foren und sozialen Medie. In einer Zeit, in der die ersten Webseiten gerade erst entstanden, lernte ich viel dazu und traf Gleichgesinnte. Das war eine sehr aufregende Zeit für mich, voller unschuldiger Begeisterung. Mehr als zehn Jahre später war ich mehr in der Uhrenwelt unterwegs, als ich mir je hätte träumen lassen. Natürlich kann ich jene Anfangszeit voller Freude und Aufregung über die neue entdeckte Welt niemals zurückholen, aber in gewisser Weise erinnert mich meine treue Seamaster nicht nur an meinen Großvater, sondern konserviert auch ein kleines Stück dieses Glücks für mich.

Rolex Submariner 114060
Rolex Submariner Ref. 114060

Die zweite Uhr, die ich wirklich viel trage, ist eine Rolex Submariner Ref. 114060. Ich habe offenbar ein Faible für Drei-Zeiger-Uhren mit zeitlosem Design. Es sind schon ganze Bücher darüber geschrieben worden, was Besitz und Tragen der Submariner so großartig macht: Sie ist zuverlässig und trägt sich – auch mit dem inzwischen eingestellten „Super Case“ außerordentlich bequem. Außerdem passt sie zu jedem Look, vor allem zu einem schwarzen T-Shirt und Jeans.

Diese Submariner war die erste wirklich schöne Uhr, die ich mir selbst gekauft habe. Daher wird sie für mich immer etwas Besonderes sein. Vor einiger Zeit wollte ich sie eine Weile nicht tragen, denn ich glaubte, ich sei inzwischen „herausgewachsen“. Mein Geschmack war offenbar ausgefeilter und raffinierter geworden. Ich habe zwar nie ganz verstanden, was das bedeutet, aber wie sich herausstellte, gibt es nur sehr wenige Uhren, die es in Sachen Design, Tragekomfort und Performance mit einer Submariner No Date aufnehmen können. Das ist wenig originell? Das mögen viele so sehen, aber für mich ist die Ästhetik einfach perfekt. Von Zeit zu Zeit ertappe ich mich selbst dabei, wie ich meine Submariner anstarre. Dann frage ich mich, wie Rolex es geschafft hat, eine Uhr zu kreieren, deren Gesamterscheinung es sich leisten konnte, seit fast 70 Jahren weitgehend unverändert zu bleiben.

Das schlankere Profil der neuen Referenz 124060 gefällt mir schon, und ich habe auch schon über ein Upgrade nachgedacht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich bereit wäre, mich dafür von meiner alten Submariner zu trennen. Natürlich ist sie nicht perfekt und ich würde mir wirklich eine längere Gangreserve wünschen. So hätte ich nicht immer das Gefühl, die Uhr jeden Tag tragen zu müssen. Aber eigentlich sind es doch genau diese kleinen Besonderheiten, in die wir Uhrenliebhaber und -sammler uns verlieben.

Klar, meine aktuelle Uhrengarderobe aus nur zwei Stücken ist bestimmt nicht der Gipfel der Spannung oder Sexyness, aber ich habe einfach meine Freude daran. Ich persönlich bin der Meinung, dass es insgesamt doch eher darum gehen sollte, anstatt in Uhren zu „investieren“, oder nur das zu kaufen, was gerade als letzter Schrei gilt. Uhren zu sammeln sollte bedeuten, etwas zu kaufen, was einem selbst gefällt und was einen in irgendeiner Art bewegt. Meiner Erfahrung nach hat man so die meiste Freude am Uhren-Hobby.

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Über den Autor

Tom Mulraney

Ich wuchs in den 1980er- und 90er-Jahren in Australien auf. In der Stadt, in der ich lebte, gab es keine nennenswerte Uhren-Szene. Lediglich ein Händler hatte …

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