11/17/2022
 4 Minuten

Bleiben Dress Watches im Trend?

Von René Herold
Patek Philippe CalatravaDress-Watches-als-Trend-2-1

Dress Watches sind aus der Welt der Uhren nicht wegzudenken. Zwar stehen sie in der öffentlichen Wahrnehmung meist etwas im Schatten der allgegenwärtigen Sport- und Tool Watches, trotzdem besitzt jeder echte Uhrensammler mindestens ein Exemplar in seiner Kollektion. In jüngster Vergangenheit schien das Interesse an Dress Watches sogar wieder merklich anzuziehen. Lassen Sie uns deshalb einmal schauen, was an dem Trend um Dress Watches dran ist. 

Was ist eine Dress Watch?

Zunächst sollten wir jedoch klären, was eine Dress Watch eigentlich genau ist. Einfach ausgedrückt ist eine Dress Watch eine elegante Uhr ohne viel Schnickschnack, die traditionell zum Anzug oder ähnlich förmlichen Outfits getragen wird – im Deutschen spricht man daher gern von einer „Anzug-Uhr“.  

Charakteristisch für eine Dress Watch sind folgende Merkmale: Eine solche Uhr sollte pures Understatement ausstrahlen. Aufwendige Komplikationen oder Skelettierungen sucht man vergebens. Eine Dress Watch beschränkt sich in der Regel auf die reine Zeitanzeige – meist mit drei Zeigern, wobei der Sekundenzeiger zentral oder dezentral auf einem Hilfszifferblatt angeordnet sein kann. Ebenfalls häufig zu finden sind Uhren mit lediglich zwei Zeigern, die oft als „Smoking-Uhren“ bezeichnet werden. Modelle mit einer Datumsanzeige tragen hingegen die Bezeichnung „Business-Uhr“, da diese Funktion im Geschäftsalltag von praktischem Nutzen ist.  

Die Zifferblätter sind traditionell sehr zurückhaltend gestaltet, die klassischen Farben sind Weiß, Schwarz oder Navy-Blau. In den letzten Jahren ist die Farbpalette allerdings kontinuierlich angewachsen. Vor allem Grün- und Brauntöne lagen zuletzt im Trend. Neben lackierten Zifferblättern sind auch häufig Ausführungen mit dezentem Sonnenschliff zu finden. Aufwendige Verzierungen wie eine Guilloche sind hingegen selten. 

The quintessential dress watch – the Patek Philippe Calatrava
Der Inbegriff der Dress Watch – die Patek Philippe Calatrava

Um problemlos unter eine Hemdmanschette gleiten zu können, sind Dress Watches besonders flach. Auch der Durchmesser des Gehäuses ist in der Regel deutlich geringer als der einer Sport- oder Tool Watch. Im Normalfall bewegen sich die Maße für eine Dress Watch im Bereich zwischen 34 mm und 40 mm – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. 

Die Materialwahl der meisten Dress Watches ist eher konservativ. Häufig anzutreffen sind Edelmetalle wie Gold oder Platin, aber auch Edelstahl ist weit verbreitet. Die Oberflächen sind meist aufwendig poliert, um einen möglichst edlen Glanz zu erzeugen. Armbänder aus hochwertigem Alligator- oder Kalbsleder unterstreichen den klassischen Look. Soll es etwas sportlicher sein, sind jedoch auch Gliederarmbänder aus Gold oder Edelstahl erlaubt.  

Aufgrund ihrer Bauweise sind Dress Watches allerdings weniger robust als Tool Watches. Besonders Feuchtigkeit kann den Uhren gefährlich werden, da diese in der Regel lediglich spritzwassergeschützt sind. Aber auch Schläge und Stöße sollten Sie vermeiden, um die delikate Mechanik nicht zu gefährden. 

Dress Watches: Trend oder doch ein Evergreen? 

Trends kommen und gehen. Was heute der letzte Schrei ist, ist morgen vielleicht schon längst wieder begraben und vergessen. Natürlich sind auch Dress Watches dem Diktat des Zeitgeistes unterworfen, doch anders als beispielsweise die übergroßen Ticker, die in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren so angesagt waren, bestand für Dress Watches nie die Gefahr, dass sie wirklich aussterben. Seit Louis Cartier vor über 100 Jahren mit der Cartier Tank das Genre der Dress Watch gewissermaßen erfunden hat, sind sie einer der Grundpfeiler der Uhrenwelt. 

Seit 1917 ein Dress Watch Klassiker – die Cartier Tank

Natürlich gibt es immer wieder verschiedene Modeerscheinungen. Diese betreffen jedoch nur Dinge wie die Form des Gehäuses, die Farbe der Zifferblätter oder ob römische, arabische oder lediglich Strichindizes angesagt sind. An der grundsätzlichen Art und Weise einer Dress Watch änderte das nichts – vornehme Eleganz und zurückhaltendes Design. So gesehen sind Dress Watches also eher ein Evergreen, eine Art von Uhr, die allgegenwärtig ist und von Millionen von Uhrenfreunden geliebt wird. 

Doch warum hört man dann in letzter Zeit ständig, dass Dress Watches gerade so angesagt seien? Hier kommt wieder der Zeitgeist ins Spiel. Sind Traditionalisten bis heute der Meinung, man dürfe Dress Watches ausschließlich zu Anzug und Krawatte tragen, können vor allem jüngere Uhrenfans mit diesen Konventionen wenig anfangen. Wenn eine Uhr gefällt, wird sie getragen. Im Zweifel auch zu T-Shirt und Flipflops. Dresswatches werden dadurch sichtbarer und sind deutlich mehr im Bewusstsein der Menschen.  

Ein weiterer Faktor ist der Umstand, dass Uhren aus Gold gerade in Mode sind. Wie wir eingangs schon gesehen haben, ist Gold als Gehäusematerial bei Dress Watches weit verbreitet. Da ist es nur logisch, dass häufig auch Dress Watches ihren Weg an die Handgelenke modebewusster Träger finden. 

Two hands, flawless finish, and a flat case – the classic sports watch AP Royal Oak also passes as a dress watch
Zwei Zeiger, edle Verarbeitung und flaches Gehäuse – der Sportuhrenklassiker AP Royal Oak geht problemlos als Dress Watch durch

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass die Grenzen zwischen Dress Watch und Sportuhr fließend sind. So traten die Royal Oak von Audemars Piguet oder die Patek Philippe Nautilus ihren kometenhaften Aufstieg einst als Sportuhren der Luxusklasse an. Heute gehen beide Uhren problemlos als Dress Watches durch. Oder denken Sie an die Rolex Day-Date und ihre kleine Schwester, die Datejust. Trotz ihres eher sportlichen Looks gehören beide Uhren ohne Zweifel zur ersten Riege der Dress Watches. 

Fazit

Dress Watches sind kein Trend im eigentlichen Sinne. Sie sind der Dauerbrenner der Uhrenwelt. Sie waren schon immer da und werden auch nicht einfach so verschwinden. In den letzten Jahren wurden Dress Watches jedoch sichtbarer, da die junge Generation von Uhrenträgern eine deutlich entspanntere Haltung dazu hat, wann man welche Uhr tragen darf. Und das ist doch eigentlich eine ganz schöne Sache. 


Über den Autor

René Herold

Mein Name ist René Herold und ich bin durch eine Stellenausschreibung auf Chrono24 aufmerksam geworden. Ich muss ehrlich zugeben, dass Uhren vor meinem Engagement bei …

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