13.01.2020
 5 Minuten

Ein starkes Statement: 4 Uhren für größere Handgelenke

Von Pascal Gehrlein
XXL-Watches-2-1

Ein starkes Statement: 4 Uhren für größere Handgelenke

Arnold Schwarzenegger und seine Audemars Piguet Royal Oak Offshore – ja, das ist das Bild, das mir als erstes in den Kopf kommt, wenn ich an große Uhren denke. Doch dieser Trend scheint lange her zu sein. Puristen mögen es nicht gerne hören, aber Uhren unterliegen durchaus modischen Einflüssen. Bei den zwei bedeutendsten Uhrenmessen des Jahres, der SIHH und der Baselworld 2019, konnte man dies wieder ganz gut erkennen. Neben Vintage-inspirierten Modellen wie der Breitling Navitimer und der Fortsetzung des Bronze-Trends, ist auch zu beobachten, dass die Gehäuse vieler Modelle schrumpfen. Übrigens zeigt sich diese Entwicklung bereits seit einigen Jahren. Doch zu jedem Pol gibt es meist auch einen Gegenpol oder Gegentrend. Wir holen sie hervor, die Uhren jenseits der 41mm, mit der sie sich gegen die Trend-Welle der kleinen Uhren stemmen wie der Terminator gegen Skynet. Keine Sorge, das war die letzte Terminator-Anspielung – ab jetzt wird es sachlich! Welche großen Uhren sind derzeit die stärksten Widersacher des Downsizing-Trends der Branche?

A. Lange & Söhne Zeitwerk
A. Lange & Söhne Zeitwerk

Lange und Söhne Zeitwerk

Einen härteren Übergang als den von Terminator zur A. Lange und Söhne Zeitwerk hätte ich mir nicht aussuchen können. Denn die Größe der Zeitwerk hat weniger mit dem Image von Stärke, Männlichkeit und anderen Attributen zu tun – das Gehäuse ist aus praktischen Gründen „big“. Das Werk braucht Platz. Viel Platz. Genauer gesagt 44,2mm. Ansonsten ist diese Uhr, wie man es von der deutschen Manufaktur gewohnt ist, elegant und trotzdem verspielt. Nicht im Design, sondern vielmehr in ihrer Funktion. Als erste Uhr mit Sprungziffernanzeige und dezimaler Minutenrepetition macht sie nicht nur durch ihre Größe auf sich aufmerksam, sondern auch durch die Funktion der akustischen Zeitangabe. Ansehen kann sich der Besitzer der Uhr dieses Spektakel durch die zwei Tonhämmer auf dem Zifferblatt. Dieses ist aus massivem Silber, das Gehäuse gar aus Platin und die Zeiger aus rhodiniertem Gold. Massiv in jeder Hinsicht. Genauso wie ihr Preis. Denn die Referenz 147.025 kostet auf Chrono24 um die 300.000 Euro. Etwa 7.000 Euro pro Millimeter Durchmesser – also, wenn das kein Statement ist…

IWC Big Pilot
IWC Big Pilot

 

IWC Big Pilot

Man könnte mir an dieser Stelle vorwerfen, dass ich nicht besonders kreativ bin, wenn ich eine Uhr auswähle, die das Wort „big“ bereits im Namen trägt. Doch die IWC Big Pilot sollte in dieser Liste einfach auftauchen. Die IWC Big Pilot Fliegeruhr aus Schaffhausen ist seit 1940 einer der festen Bestandteile der IWC-Produktpalette und prägt als Uhr für Piloten bis heute maßgeblich das Image der Marke. Während das ursprüngliche Modell noch mit einer für heute unwirklich klingenden Gehäusedimension von 55mm auf seinen Einsatz wartete, liegen die aktuellen Modelle bei etwa 46mm. Nicht nur das Gehäuse der Uhr fällt im Vergleich zu anderen Uhren groß aus. Auch die kegelförmige Krone ist nicht zu übersehen. Das hat oder hatte historisch jedoch besonders praktische Gründe, denn so ist sie auch für Piloten im Einsatz stets griffig genug. Wem die Größe alleine noch nicht markant genug ist, der wird sich mit der Referenz IW501005 sicher anfreunden. Diese auf 1.500 Stücke limitierte Edition hat ein 46mm großes Bronze-Gehäuse, welches, wie wir wissen, mit der Zeit seine ganz eigene Patina erhält. Angetrieben vom IWC Automatikkaliber 52110 auf Basis des IWC 52010, hat das Modell sogar eine Gangreserve von 168 Stunden. Auch in dieser Hinsicht eine große Sache. Doch wer möchte diese gutaussehende Uhr eine ganze Woche lang vom Handgelenk lassen? Das bronzefarbene Gehäuse macht in Kombination mit dem Kalbslederband nicht nur dem „big“, sondern auch dem „Heritage“ im Namen alle Ehre.

Zenith el Primero Defy 21
Zenith Defy El Primero 21

 

Zenith Defy El Primero 21

Ginge es in diesem Artikel um die Uhr mit der längsten Referenznummer, dann hätte diese Uhr den Titel sicher. Die Referenz 10.9000.9004/96.R921 ist eine 44mm große Uhr, die sich rein von ihrer Optik auch gut an den Handgelenken von so manch einem Basketballer, Rapper oder Schauspieler sehen lassen könnte. Ob Zenith es ärgert, dass Audemars Piguet und Co. in dieser Zielgruppe meist den Vortritt erhalten sei dahingestellt. Wie auch immer – die Zenith Defy El Primero 21 muss und wird sich durch ihre Größe an keinem Handgelenk verstecken. Das Gehäuse ist vollständig aus Carbon – bedeutet, dass auch die Drücker und Krone aus dem Hightech-Material gefertigt sind! Lediglich das Kautschuk-Armband und die Schließe sind nicht aus Carbon gefertigt, behalten jedoch die Carbon-Optik bei. Diese El Primero ist ein Chronograph der besonderen Art. Neben der optischen Extrovertiertheit, hat auch das Innere der Uhr wenig mit Zurückhaltung zu tun. Viele halten das Uhrwerk für absolut revolutionär und ich würde dieser Einschätzung nicht widersprechen wollen. Das El Primero Kaliber ist seit jeher für seine außerordentliche Präzision bekannt. Durch den offenen Gehäuseboden betrachtet, sieht man auch dem neuen El Primero 9004 diese Eigenschaft förmlich an. Es ist die Frequenz des neuen Werkes, die diesen Chronographen auf ein ganz anderes Level hebt. Das Hundertstelsekunden-Chronographenkaliber schwingt mit einer noch nie dagewesenen Frequenz von 360.000 Halbschwingungen pro Stunde, was den Zeiger auf dem skelettierten Zifferblatt unvergleichlich smooth rennen lässt. Das muss man gesehen haben! Die Zenith El Primero ist also von außen und innen eine echte Größe und deshalb berechtigt in dieser Liste.

Hublot Classic Fusion
Hublot Classic Fusion

 

Hublot Classic Fusion

Kaum eine andere Marke steht so sehr für Aufmerksamkeit wie die von Jean-Claude Biver wiederbelebte Marke Hublot. Die Classic Fusion Titanium mit der Referenz 521.NX.1171.LR ist wie die Zenith ein Chronograph. Verantwortlich dafür ist das Hublot Kaliber 1143, welches sich im Inneren des 45mm großen Edelstahlgehäuse wiederfindet. Die technische Versiertheit ist zwar nicht mit der einer Zenith Defy El Primero zu vergleichen, aber die Form des Titangehäuses und das Kautschukband lassen einen Vergleich der beiden Uhren durchaus zu. Während das Werk nur mit 28.800 Schwingungen seinen Dienst verrichtet, hat die Hublot in puncto „Glamour“, meiner Meinung nach, die Nase vorne. Das runde Gehäuse mit den sechs markanten Schrauben ist hierbei das Markenzeichen der Classic Fusion. Trotzdem ist dieses Modell innerhalb des Hublot-Kosmos eher schlicht. Weder aggressive Farben noch ein skelettiertes Zifferblatt zeichnen dieses Modell aus. Das polierte und satinierte Titanium-Gehäuse wirkt weniger sportlich als beispielsweise die Modelle aus der Big Bang Reihe. Und das, obwohl das schwarze Zifferblatt mit Chronographen-Totalisatoren und Datum auf 6 Uhr ausgestattet ist. Die Classic Fusion ist bis zu 50m wasserdicht und auch wegen des Krokodilleder Armbands sicher keine Uhr für alle Lebenslagen.

Mein Fazit

Der Oversize Trend, der Anfang der 2000er Jahre, befeuert durch diverse Hollywood-Größen, seinen Höhepunkt erreicht zu haben schien, hat aktuell wieder seinen Tiefpunkt erreicht. Doch wer möchte schon immer mit dem Strom schwimmen? Trend hin oder her – für so manches Handgelenk sind Uhren mit der historisch-klassischen Datejust-Größe der 60er und 70er Jahre einfach nicht geschaffen und das hat nicht zwangsweise etwas mit dem Drang zu tun, um jeden Preis auffallen zu wollen. Wie man ganz gut an einigen der vorgestellten Modelle erkennen kann, braucht so manche Funktion einfach ihren Platz. Und für Uhren, die auf dieses Argument nicht setzen können, sei gesagt, dass so lange es sich für den Träger natürlich anfühlt, jede Uhrengröße seine Berechtigung hat.

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Pascal Gehrlein

Hey, ich bin Pascal. Nachdem ich viele Stunden auf Chrono24 verbracht habe, um schließlich meine erste „Luxusuhr“ zu kaufen, entdeckte ich im Impressum, dass der …

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