08/18/2023
 5 Minuten

Langsam, aber stetig: 20 Jahre systematische Weiterentwicklung der Rolex GMT-Master II

Von Thomas Hendricks
Langsam, aber stetig: 20 Jahre systematische Weiterentwicklung der Rolex GMT-Master II

Legt man eine Rolex GMT aus dem Jahr 2003 neben eine aus dem Jahr 2023, so wird man auf den ersten Blick keinen großen Unterschied feststellen. Aber der erste Eindruck kann täuschen. In 20 Jahren ändert sich im Uhrendesign vieles. Bildlich gesprochen könnte man sagen, dass die Rolex GMT in den vergangenen zwei Jahrzehnten verschiedene Phasen durchlaufen hat: vom Skater („Coke“) zum Goth („Lunette Noire“) und schließlich zum Elitestudenten („Pepsi“), der in seiner Unizeit sogar ein wenig herumexperimentiert hat („Sprite“). 

Chrono24 feiert dieses Jahr seinen 20. Geburtstag. Passend dazu werfen wir heute einen Blick darauf, was sich in den letzten 20 Jahren bei Rolex getan hat. Wir schauen uns an, wie Rolex von 2003 bis heute seine Uhren systematisch weiterentwickelt hat, und gehen dabei insbesondere auf die Rolex GTM-Master II ein – jene Uhr, bei der Rolex viele seiner charakteristischen Features erstmals zum Einsatz brachte. Wenn Sie schon einmal Begriffe wie „Gloss Dial“, „Super Case“, „Cerachrom-Lünette“ oder „Parachrom-Spirale“ gehört haben, aber nicht so recht wussten, was sie bedeuten, dann ist dieser Artikel genau das Richtige für Sie. 

Eine Reise durch die Zeit: 20 Jahre im Schnelldurchlauf

Wir schreiben das Jahr 2003. Songs wie „In Da Club“ von 50 Cent, „Seven Nation Army“ von The White Stripes oder auch „Für dich“ von Yvonne Catterfeld dominieren die Charts. Johnny Depp bringt uns als Captain Jack Sparrow zum Lachen. Das fünfte Buch der Harry-Potter-Reihe von J.K. Rowling wird veröffentlicht und zieht Leser auf der ganzen Welt in seinen Bann. Es ist eine Zeit, in der man noch in eine Rolex-Boutique hineinspazieren und dort tatsächlich eine Uhr kaufen kann. 

Rolex GMT-Master II Ref. 16710

Zu jener Zeit verkaufte Rolex die Referenz 16710. Dabei handelte es sich um die zweite Generation der GMT-Master II, die über einen langen Zeitraum – von 1989 bis 2007 – produziert wurde. Sie hatte ein etwas flacheres Gehäuse als ihre Vorgängerin, da sie mit dem neuen, flacheren Kaliber 3185 ausgestattet war. Als Käufer konnten Sie sich für eine Aluminium-Lünette in Blau-Rot, Schwarz-Rot oder Schwarz entscheiden.  

Rolex produzierte die Uhr fast 20 Jahre lang und nahm im Laufe dieser Zeit eine Reihe von Verbesserungen vor, während die Referenznummer stets die gleiche blieb. So erhielt zum Beispiel das Armband ab dem Jahr 2000 massive Anstoßglieder, und ab 2003 verzichtete man auf das Durchbohren der Hörner. Als Leuchtmasse verwendete Rolex bis 1997 Tritium, 1998 und 1999 wurde auf LumiNova und ab dem Jahr 2000 auf Super-LumiNova umgestellt. Wenn Sie Uhren mit Patina mögen, ist dieses Modell ein heißer Tipp, da die Aluminiumlünetten mit der Zeit wunderschön verblassen und vor allem die vor 1998 produzierten Uhren mit ihrer bräunlich verfärbten Tritium-Leuchtmasse einen ganz besonderen Charme besitzen.  

Rolex GMT-Master II ref 16710 Coke
Rolex GMT-Master II Ref. 16710, auch bekannt als Rolex „Coke“

Rolex GMT-Master II Ref. 116710LN

Im Jahr 2005 feierte Rolex das 50. Jubiläum der GMT-Master mit der Einführung der kratzfesten und farbechten Cerachrom-Lünette. Diese präsentierte sich ganz in Schwarz an einer gelbgoldenen Rolex GMT-Master II. Die erste Stahlversion mit Keramiklünette erschien 2007 mit der Referenz 116710, noch bevor Rolex die Submariner, Sea-Dweller und Daytona mit einer Keramiklünette ausstattete. Übrigens: Dieses Modell, das wegen seiner schwarzen Lünette den Namen „Lunette Noire“ trägt, ist häufig günstiger zu haben als Rolex-GMT-Stahluhren mit zweifarbiger Lünette. Des Weiteren verfügte die Referenz 116710 über das Kaliber 3186 mit Parachrom-Spirale und war somit widerstandsfähiger gegen Stöße und Temperaturschwankungen. Rolex wechselte in dieser Zeit auch noch einmal die Leuchtmasse: vom grün leuchtenden Super-LumiNova zum hauseigenen, blau leuchtenden Chromalight. 

Fazit: Mit dem Wechsel von einer Generation zur nächsten hatte die Rolex GMT-Master II eine neue Lünette, ein neues Uhrwerk und neuartige Leuchtelemente auf dem Zifferblatt erhalten. 

Rolex GMT-Master II Ref. 116710LN
Rolex GMT-Master II Ref. 116710LN

Rolex GMT-Master II Ref. 116710BLNR

Ein paar Jahre lang war die Lunette Noire mit ihrer einheitlich schwarzen Lünette die einzige verfügbare GMT-Master aus Stahl. Das änderte sich 2013 mit der Einführung der Batman mit blau-schwarzer Lünette. Für die Herstellung dieser zweifarbigen Variante nutzte Rolex ein patentiertes Verfahren, bei dem eine blaue Lünette aus poröser Keramik auf der die Nachtzeit symbolisierenden Hälfte schwarz eingefärbt wurde. Unter Uhrenliebhabern herrscht die Vermutung, dass sich Rolex bei der Lancierung der neuen zweifarbigen Keramiklünetten einfach deshalb für die Kombination aus Blau und Schwarz entschied, weil sich diese am leichtesten herstellen ließ. Andere Farbkombinationen, darunter die berühmte Pepsi-Lünette, sollten später folgen.  

The Rise of Batman or: Rolex GMT-Master II Ref. 116710BLNR
Batman tritt auf den Plan: die Rolex GMT-Master II Ref. 116710BLNR

Rolex GMT-Master II Ref. 116719BLRO

Ein Jahr später, also 2014, feierte die Pepsi ihr großes Comeback. Die schlechte Nachricht: Sie war ausschließlich in Weißgold erhältlich.

Zum letzten Mal hatte es die berühmte blau-rote Farbkombination bei der 2007 eingestellten Aluminiumlünette gegeben. Sieben Jahre später war die Pepsi wieder da, wenn auch zu einem deutlich höheren Preis aufgrund des Edelmetallgehäuses. Weitere vier Jahre später tauschte Rolex das schwarze Zifferblatt gegen ein blaues aus und führte damit die Referenznummer 126719BLRO ein, die noch heute produziert wird.  

Rolex GMT Master 'Pepsi'
Rolex GMT-Master „Pepsi“

Rolex GMT-Master II Ref. 126715CHNR

Das Jahr 2018 brachte einige wesentliche Veränderungen mit sich. Zunächst überraschte Rolex mit einer Neuauflage der „Root Beer“. Die Vintage-Varianten dieser Uhr waren bereits absolute Schmuckstücke, aber nun gab es die Root Beer zusätzlich noch in einer Roségold- und einer Bicolor-Variante mit schwarz-brauner Lünette. 

Rolex GMT-Master II 'Rootbeer'
Rolex GMT-Master II „Rootbeer“

Rolex GMT-Master II Ref. 126710BLRO

Außerdem war es das Jahr der Rückkehr der ikonischen Pepsi-GMT aus Stahl unter der Referenznummer 126710BLRO. Die Uhr ist nach wie vor in Produktion und überzeugt nicht nur durch Ihr Äußeres, sondern auch durch tolle Technik im Innern: Das Kaliber 3285 bietet dank patentierter Chronergy-Hemmung eine Gangreserve von 70 Stunden statt früher 50 Stunden. Auch die Ganggenauigkeit ist höher, und die Uhr ist widerstandsfähiger gegen Erschütterungen und Temperaturschwankungen.  

Die neue Pepsi präsentierte sich bei ihrem Erscheinen an einem Jubilee-Armband mit Oysterlock-Schließe und Mikro-Verstellung. Wenn Sie die Uhr kennen oder jemals eine Uhr im Sommer getragen haben, wissen Sie, wie wertvoll diese Eigenschaft ist.  

Rolex GMT-Master II Ref. 126710BLNR

2019 kam die neue Batman GMT, ebenfalls mit Kaliber 3285 und Jubilee-Armband. Sie wird manchmal als „Batgirl“ bezeichnet, um sie von der Vorgängerversion am Oyster-Armband zu unterscheiden. Nun, da Rolex seine Edelstahl-GMTs sowohl mit Oyster- als auch mit Jubilee-Armband anbietet, wird jedoch wieder vermehrt die Bezeichnung „Batman“ für alle Modelle mit blau-schwarzer Lünette verwendet. 

Für die Watches and Wonders 2022 warf Rolex alle Konventionen über Bord und verblüffte die Uhrenwelt mit einer schwarz-grünen GMT mit linksseitiger Krone.  

If nothing goes right, go left – like the GMT-Master II with black and green bezel
Manchmal muss man einfach etwas wagen … Bei dieser GMT-Master II mit schwarz-grüner Lünette befindet sich die Krone auf der linken Seite.

Schlussgedanken

Und damit wären wir wieder in der Gegenwart angekommen. In der Rückschau erkennen wir die langsame, aber stetige Vorgehensweise von Rolex bei der Verbesserung der Technik seiner GMT-Master II. Doch all die kleinen Änderungen summieren sich. In den vergangenen 20 Jahren erschienen zwei neue Uhrwerke mit besseren Komponenten und optimierter Leistung. Es gab fünf neue Lünetten, davon einige in neuen Farben, zwei Arten von Armbändern und ein System zur Mikro-Verstellung. Hinzu kommen vier Varianten beim Gehäusematerial und sogar eine Version für Linkshänder.  

Auf Uhrenliebhaber machen kleine Veränderungen wie diese oft keinen großen Eindruck. Aber vielleicht kann man aus der Rolex-Strategie auch etwas lernen. Ein „langweiliger“ Entwicklungsweg sorgt vielleicht nicht unbedingt für große Schlagzeilen und viele Klicks. Doch die Kontinuität lässt das Markenimage von Rolex im Laufe der Zeit immer stärker werden und verleiht den Modellen selbst den Status des unanfechtbaren Branchenstandards – eine Art Heiligenkanon. Dynastien sind auf Stabilität gebaut, und das Königreich von Rolex ist mächtiger als je zuvor.  


Über den Autor

Thomas Hendricks

In jungen Jahren war ich kein Uhrenfan, aber ein paar Jahre nach meinem Studium habe ich als Autor und Marketing-Spezialist beim Online-Portal Watchonista angefangen. Augenzwinkernd begrüßten mich hier die neuen Kollegen: „Willkommen in der Uhrenwelt, die niemand je wieder verlässt!“ Heute bin ich Privatkundenberater bei Chrono24 und helfe Menschen dabei, die perfekte Uhr für die großen Anlässe ihres Lebens zu finden.

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