09/14/2021
 4 Minuten

MB&F LM Perpetual – ein Ewiger Kalender wie kein zweiter

Von René Herold

Der Ewige Kalender gilt als eine Königsdisziplin der Uhrmacherei. Er gehört zu den sogenannten großen Komplikationen und unterscheidet automatisch zwischen Monaten mit 30 oder 31 Tagen. Auch der kurze Februar wird inklusive der Schaltjahre von der Mechanik berücksichtigt. Wenn Sie das Datum an einer solchen Uhr einmal richtig einstellen und die Uhr immer mit ausreichend Energie versorgen, müssen Sie das Datum erst wieder am 1. März 2100 von Hand korrigieren. Bei diesem Jahr handelt es sich um ein sogenanntes Säkularjahr, in dem der Schaltjahreszyklus aussetzt. 

Uhren mit Ewigem Kalender gibt es bereits seit dem 17. Jahrhundert. Dabei handelte es sich erst um Stand- und Tischuhren, später kamen Taschenuhren hinzu. Die erste Armbanduhr mit Ewigem Kalender kam 1930 auf den Markt und geht auf das Konto von Patek Philippe. Inzwischen bieten unzählige Hersteller Armbanduhren mit Ewigem Kalender an und nutzen dabei zumeist die gleichen Techniken, die schon in den ersten Uhren mit dieser Komplikation zum Einsatz kamen. Zwar wurde in den letzten 50 Jahren viel Energie investiert, um die Komplikation zu optimieren und die Fertigungsqualität zu verbessern, doch funktioniert ein Ewiger Kalender heute kaum anders als in den Anfangstagen. Das bedeutet auch, dass Uhren mit Ewigem Kalender mit den gleichen Schwächen zu kämpfen haben wie ihre historischen Vorgängerinnen. 

Empfindlich und fehleranfällig

Einer der größten Nachteile ist die hohe Empfindlichkeit und Fehleranfälligkeit. So können Sie den fragilen Mechanismus beispielsweise irreparabel beschädigen, wenn Sie während des Datumswechsels versuchen, die Uhr zu justieren. Ein weiteres Manko besteht darin, wie der Mechanismus von Monaten mit weniger als 31 Tagen zum 1. des Folgemonats springt. Bei der herkömmlichen Bauweise kommt hierfür eine Grand Levier genannte Schaltwippe zum Einsatz. Diese liegt quer über der Komplikation und synchronisiert beim Datumswechsel die einzelnen Kalenderanzeigen miteinander. Das Problem liegt nun darin, dass die Mechanik bei einem klassischen Ewigen Kalender grundsätzlich erst einmal davon ausgeht, dass alle Monate 31 Tage haben. Bei kürzeren Monaten muss die Wippe also Tage „überspringen“. In der Praxis bedeutet das, dass der Mechanismus mehrmals in sehr kurzer Folge weiterschalten muss. Ende Februar muss die Wippe beispielsweise blitzschnell vom 28. vier Tage weiterspringen, um beim 1. März zu landen. Nicht selten passiert es dabei, dass die Schaltung zu weit rutscht oder einen Tag zu wenig umschaltet. Das Ergebnis wäre in einem solchen Fall, dass die Uhr das Datum falsch anzeigt und Sie von Hand korrigieren müssen – also genau das, was ein Ewiger Kalender eigentlich verhindern soll. 

Die Schaltwippe bringt einen weiteren Nachteil mit sich: Sie liegt quer über dem Zentrum der Komplikation und muss sich frei bewegen können. Es darf also nichts angebracht werden, was sie behindert. Stifte, wie sie oft genutzt werden, um Teilzifferblätter bei skelettierten Uhren zu halten, sind also kaum möglich. Erschwert wird dieser Umstand dadurch, dass die meisten Ewigen Kalender als Modul auf einem Basiswerk sitzen, was das Platzangebot weiter reduziert. Deshalb besitzen traditionelle Uhren mit Ewigem Kalender häufig ein geschlossenes Zifferblatt, das maximal mit kleinen Ausschnitten, beispielsweise für das Datum, den Wochentag, ein Tourbillon oder ähnliches, versehen ist. 

MB&F denkt den Ewigen Kalender neu

Für Maximilian Büsser, Gründer der innovativen Uhrenmanufaktur MB&F, waren die Unzulänglichkeiten des Ewigen Kalenders lange ein Grund, keine Uhren mit dieser Komplikation anzubieten. Zusammen mit dem Uhrmachermeister Stephen McDonnell begann MB&F jedoch, den Ewigen Kalender neu zu erfinden. Frucht der Zusammenarbeit ist ein Kaliber, das aus 581 Teilen besteht und die Komplikation vollständig in das Werk integriert. 

Doch McDonnell ging noch weiter: Er verzichtete auf die traditionelle Schaltwippe und entwickelte stattdessen einen mechanischen Prozessor, der aus mehreren übereinander gelagerten Platinen besteht. Diese Bauform ist nicht nur platzsparender, sie ermöglicht es auch, das Werk viel freier zu gestalten. Das Geniale an diesem mechanischen Prozessor ist jedoch, dass jeder Monat erst einmal 28 Tage hat – also die minimale Anzahl an Tagen, die alle zwölf Monate des Jahres aufweisen. Bei Monaten mit mehr als 28 Tagen wird die entsprechende Anzahl einfach „hinzuaddiert“. Ein versehentliches Überspringen von Tagen ist auf diese Weise ausgeschlossen. 

Der Prozessor hat zudem eine eingebaute Sicherheitsschaltung, die die Korrekturdrücker des Kalenders deaktiviert, sobald der Datumswechsel beginnt. So ist sichergestellt, dass das Werk in diesem kritischen Moment nicht durch versehentliches Betätigen der Drücker beschädigt wird. 

Eine weitere Besonderheit ist die Schaltung, mit der Sie das Schaltjahr korrigieren können. Dank einer speziellen Nocke brauchen Sie nur einen Drücker zu betätigen, um das Schaltjahr anzupassen. Bei herkömmlichen Ewigen Kalendern ist es oftmals notwendig, per Hand bis zu 47 Monate durchzuspringen, bis man die richtige Kombination aus Monat und Jahr erreicht hat. 

Legacy Machine Perpetual – jetzt auch in Palladium

Seine Premiere feierte das Werk im Jahr 2015 in der ersten Auflage der MB&F Legacy Machine Perpetual. Die Uhr wurde seither in Gelbgold, Rotgold, Weißgold, Platin und Titan angeboten. Jetzt gesellt sich eine Variante aus Palladium hinzu. Wie alle ihre Vorgängerinnen ist auch das neue Modell für jeden Uhrenfreund eine Augenweide, was vor allem am einzigartigen Kaliber liegt. Zentraler Blickfang ist die große Unruh, die sich an einer V-förmigen Brücke mittig über dem skelettierten Werk befindet. Die Hemmung hat MB&F auf die Rückseite der Uhr verlegt. Dies ist nur dank einer extralangen Unruhwelle möglich, die einmal durch das gesamte Werk verläuft. 

Die Zeitanzeige erfolgt über ein Hilfszifferblatt bei 12 Uhr. Die ringförmigen Anzeigen für den Kalender bei 3, 6 und 9 Uhr scheinen zwischen Unruh und Werk zu schweben. Die Indikatoren für die Gangreserve und das Schaltjahr befinden sich bei 4:30 bzw. 7:30 Uhr. Sowohl das Deckglas als auch der Boden bestehen aus Saphirkristall, was einen ungehinderten Blick auf das meisterhafte Uhrwerk ermöglicht. 

Die Legacy Machine Perpetual Palladium ist ab dem 14. September 2021 erhältlich. 

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René Herold

Mein Name ist René Herold und ich bin durch eine Stellenausschreibung auf Chrono24 aufmerksam geworden. Ich muss ehrlich zugeben, dass Uhren vor meinem Engagement bei …

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