05/07/2020
 7 Minuten

Vintage-Uhren unter dem Radar: Rolex-Klassiker mit kleinem Oyster-Gehäuse

Von Theodossios Theodoridis
Rolex 6694 Header_2_1

Vintage-Uhren unter dem Radar: Rolex-Klassiker mit kleinem Oyster-Gehäuse

Wie sich die Zeiten ändern, wenn es um die Uhrengröße geht. Wer heute von einer kleinen Uhr spricht, der meint in der Regel einen Durchmesser von 39 oder 38 mm – zumindest bei den Herrenmodellen. Uhren, die darunter liegen, beispielsweise um die 34 mm, gelten gemeinhin als Damenmodelle. Doch das war mal anders – vor allem bei Rolex.

Kenner wissen: Die erste Submariner aus den 50er Jahren (Ref. 6204) war erstaunlich klein. Sie maß nur 37 mm. Ebenso die berühmte Rolex Daytona „Paul Newman“ – auch sie lag bei nur 37 mm. Und die Vorgängerin der heutigen Explorer, die Rolex Oyster Perpetual Ref. 6098, mit der Sir Edmund Hillary 1953 erstmals den Mount Everest bestiegen hat, maß sogar nur 34 mm.

Vintage Oyster Perpetual Ref. 6098, ca. 1953
Vintage Oyster Perpetual Ref. 6098, ca. 1953

Aus heutiger Sicht kaum denkbar für eine (vermeintlich) maskuline Expeditions-, Taucheruhr oder einen Chronographen. Und was die etwas eleganteren Herrenmodelle der 50er und 60er Jahre angeht: Die bewegten sich in ähnlichen Größenordnungen – 33 bis 36 Millimeter waren hier Gang und Gäbe.

Weniger ist mehr – Uhren für Gentlemen

Schließlich sollte die Uhr eines Gentlemans nicht protzen oder auf sich aufmerksam machen, sondern stilvoll die Zeit anzeigen – und danach wieder dezent unter der Hemdmanschette verschwinden.

Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694
Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694, Bild: Zeigr

Das geht mit einer schlanken Uhr natürlich wesentlich besser als mit einem wuchtigen Instrument am Arm. Und um eben diese „kleinen“ Vintage-Uhren soll es in diesem Artikel gehen. Etwas genauer: Wir schauen uns einige Modelle von Rolex in diesem Bereich an, die definitiv einen Blick wert sind.

Vergleichsweise erschwinglich und heute noch gut tragbar

Das Gute an diesen kleinen Vintage-Rolex-Modellen: Einige von ihnen laufen (noch) ein wenig unter dem Radar und sind recht erschwinglich – zumindest im Vergleich zu anderen Rolex-Modellen wie Submariner & Co. Und: Sie sind trotz ihres vermeintlich kleinen Durchmessers für den Herren auch heute noch gut tragbar.

Eine große Rolle spielt hierbei sicherlich das elegante aber dennoch recht kompakte Oyster-Gehäuse, dessen Design-Konzept nahezu unverändert seit Jahrzehnten zum Einsatz kommt.

Es lässt eine auf dem Papier kleine Rolex am Arm und in der Realität stets ein wenig größer wirken. Als grobe Faustregel kann man in etwa zwei Millimeter „draufrechnen“. So wirkt eine 34-mm-Rolex, nach meiner Erfahrung, am Arm gern mal wie 36 Millimeter. Und entsprechend wirkt eine „36er“-Rolex am Handgelenk mitunter wie eine 38-Millimeter-Uhr.

Zugegeben, die folgenden Uhren-Tipps sind nicht für diejenigen geeignet, die grundsätzlich 43 Millimeter und mehr tragen. Wer sich aber im Bereich von 40 bis 42 mm bewegt, kann sich die folgenden Tipps anschauen. Und wer ohnehin ein Auge auf die aktuell angesagten 38 bis 39 mm geworfen hat, sowieso. Für ihn (oder sie) könnten die folgenden Uhren ein guter Tipp sein.

Wir beginnen mit einer vergleichsweise „günstigen“ Rolex.

Für Einsteiger: Rolex Oysterdate Precision – Ref. 6694

Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694
Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694, Bild: Zeigr

Die Oysterdate Precision ist aus meiner Sicht ideal für den Einstieg in die Welt der Vintage-Rolex. Es war übrigens auch meine erste. Man bekommt sie heute – je nach Zustand und Ausstattung – um die 2.000 Euro. Das ist vergleichsweise wenig für eine (Vintage-)Rolex.

Was man zu dieser Uhr wissen muss: Die Precision hat ein Handaufzugswerk (Kaliber 1225) ohne Datumsschnellschaltung. Der Durchmesser liegt bei 34 mm, ihr Produktionszeitraum reichte von den frühen 60er bis in die späten 80er Jahre. Das spricht für genügend Auswahl und erhöht die Chancen, seine Wunschuhr bzw. Variante zu finden.

Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694
Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694, Bild: Zeigr

Bei dem Glas mit der für Rolex typischen Lupe (Zyklop) handelt es sich um ein Plexiglas, das sich günstig austauschen lässt, sollte es mal zu tiefe Kratzer haben. Ansonsten kann man es auch gut selbst polieren. Und: Auch alle folgenden Uhren sind mit einem Plexiglas ausgestattet.

Doch zurück zur Oysterdate Precision:

Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694
Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694, Bild: Zeigr

Ihr Bandanstoß beträgt 19 mm. Das ist wichtig zu wissen, da es sich hierbei um eine Zwischengröße handelt und man in Sachen Ersatzband eventuell etwas länger suchen muss. Es sei denn, man kauft gleich ein Rolex-Originalband – das dürfte jedoch etwas kostspieliger werden. Hierauf sollte man beim Kauf einer Vintage-Rolex zusätzlich achten.

Wie gesagt, dieses Modell war auch meine erste Rolex. Erworben habe ich sie vor einigen Jahren für einen mittleren dreistelligen Betrag. Und so wie es aussieht, kann selbst so eine kleine und einfache Vintage-Rolex eine gewisse Wertsteigerung verzeichnen. Als schlechtes Investment kann man sie auf jeden Fall nicht bezeichnen.

Wertentwicklung der Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694
Wertentwicklung der Rolex Oysterdate Precision Ref. 6694

Mehr zur Oysterdate Precision in diesem ZEIGR-Artikel. Er stammt aus dem Jahr 2015 – damals bekam man diese Uhren noch deutlich günstiger.

Rolex Air King: König der Lüfte – mit der Referenz 5500

Rolex Air King Ref. 5500
Rolex Air King Ref. 5500

Wem die zuvor vorgestellte Precision gefällt, jedoch der Handaufzug ein Dorn im Auge ist, für den könnte die Rolex Air King Oyster Perpetual mit der Referenz 5500 etwas sein. Das „Perpetual“ steht bei der Genfer Uhrenmarke schließlich immer für ein Automatikwerk. Und in diesem Fall sprechen wir von den Rolex-Kalibern 1520 oder 1530 – je nach Baujahr.

Die Air King – der Name deutet es bereits an – war eine Uhr für Piloten und hat ihre Wurzeln im Zweiten Weltkrieg. Die Bezeichnung „King“ soll auf ihre Größe von 34 Millimeter zurückzuführen zu sein – denn die galten in den 30er/40er Jahren scheinbar als groß.

Die frühen Air Kings waren noch mit Handaufzug, darum wenden wir uns gleich der Referenz 5500 zu. Zudem hatte sie eine recht lange Produktionszeit – von 1957 bis 1989. Das erhöht für Suchende die Chancen, innerhalb dieser Referenz das passende Exemplar für sich zu finden.

Im Prinzip ist die Air King eine etwas „aufgeräumtere“ Precision mit Automatikwerk. Sie kommt ohne Lupe und Datum aus. Sprich: Weniger Funktion, dafür etwas mehr Eleganz und Klarheit auf dem Zifferblatt. Auf dem ist übrigens auch der Precision-Schriftzug zu sehen – über der „6“ und zusätzlich zum geschwungenen „Air King“ auf „12 Uhr.

Was den Preis angeht, so liegt die Air King mit der Referenz 5500 – je nach Zustand und Ausstattung (mit/ohne Metallband, Box & Papieren) derzeit im Bereich von 2.000 bis 3.000 Euro.

Wertentwickling der Rolex Air King 5500
Wertentwickling der Rolex Air King 5500

Und aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass sie in Sachen Preis/Leistung die etwas bessere Wahl sein dürfte als die günstigere Precision. Kurzum: Hier entscheidet letztendlich das Portemonnaie. Wer etwas mehr ausgeben kann und kein Datum benötigt, der dürfte mit der automatischen Air King recht gut bedient sein.

Die frühe Explorer – Ref. 1016

Rolex Explorer Ref. 1016
Rolex Explorer Ref. 1016

Während die vorangegangen beiden Rolex-Modelle gerade noch als Geheimtipp in Sachen Vintage-Rolex und mit kleinem Oyster-Gehäuse durchgehen könnten, ist es die Referenz 1016 leider nicht mehr. Das erkennt unter anderem an ihren Preisen – sie beginnen bei rund 10.000 Euro.

Es handelt sich hierbei übrigens nicht um die erste Explorer, das war die Referenz 6610, aber wohl um die beliebteste. Der Grund dafür: Ein großer Uhrenblog aus den USA hat die 1016 über mehrere Jahre regelmäßig gefeatured, bekannt gemacht und sehr wahrscheinlich zu den heutigen Preisen und der erhöhten Begehrlichkeit beigetragen.

In Kürze, was man über die Rolex Explorer mit der Referenz 1016 wissen muss: Die Produktion dieses Modells umfasst die Jahre 1963 bis 1989. Ihr Durchmesser liegt bei 36 Millimetern, womit sie größer ist als die zuvor vorgestellten Modelle. Im Inneren findet man, je nach Baujahr, das Automatik-Kaliber 1560 oder 1570.

Im Prinzip gab es sie in einer Ausführung – mit schwarzem Zifferblatt. Wobei es laut dem oben erwähnten US-Blog wohl auch eine sehr seltene weiße Variante gab. Außerdem charakteristisch für die Explorer ist ihre Stundenmarkierung mit einem Dreieck auf der „12“ und arabischen Ziffern in der „3-6-9“-Kombination.

Wie gesagt, in Sachen Preisen hat dieses Modell einen ordentlich Sprung gemacht. Im Jahr 2009 bekam man sie noch unter 5.000 Euro, heute kann sie – je nach Alter und Zustand – 10.000 bis 20.000 Euro kosten.

Einige aktuelle Angebote liegen sogar über 30.000 Euro. Ob und wie viel Wertsteigerung hier noch möglich ist – schwer einzuschätzen. Aber eine schöne und begehrte Uhr ist die 1016 allemal.

Wertentwicklung der Rolex Explorer 1016
Wertentwicklung der Rolex Explorer 1016

Kommen wir nun zu einer mysteriösen und ziemlich seltenen Vintage-Rolex mit kleinem Oyster-Gehäuse.

Die Mysteriöse – die Rolex Oyster Commando Ref. 6429

Rolex Oyster Commando Ref. 6429
Rolex Oyster Commando Ref. 6429

Am besten lässt sich diese Uhr so beschreiben: Ein Mix aus den oben vorgestellten Vintage-Modellen. Sie hat ein Explorer-Zifferblatt und steckt im Gehäuse einer 34-mm-Oyster – zumindest laut der meisten Quellen. Eine frühe spricht von nur 33 Millimetern. Das Mysterium beginnt also spätestens hier.

Hinzukommt: Die in demselben Artikel abgebildete Referenz 6429 hat gänzlich andere Zeiger als die Commandos, die man gemeinhin angeboten sieht. Auch dies – ein Mysterium.

Soweit es sich recherchieren lässt, war die Commando Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre eine Sonderanfertigung für das US-Militär. In den zivilen Verkauf ging sie wohl zusätzlich über Abercrombie & Fitch, wie eine alte Zeitungs-Annonce zeigt (Quelle: Mondani).

Und: Es gab wohl zwei Zifferblatt-Varianten. Eine trug den Schriftzug „Commando“ über der „6“, die andere hatte diesen Schriftzug nicht. Da über diese Uhren vergleichsweise wenig bekannt ist bzw. mehrere und nicht eindeutig belegte Theorien kursieren, sollte man sich an den Kauf einer dieser Uhren nur mit viel Vorsicht, reichlich Recherche und guten Rolex-Kenntnissen herantrauen – und beim geringsten Zweifel Abstand davon nehmen. Erst recht, wenn man sich die bisher erzielten Preise zwischen 8.125 Dollar und 25.000 Dollar anschaut. Bei derart seltenen und nur mäßig recherchierbaren Uhren, kann man schnell in ein teures Fehlinvestment tappen.

Oder um es mit den Blogger-Kollegen von Fratellowatches zu sagen, die ähnlich vorsichtig an das Thema herangehen: Rolex Commando Ref.6429 – Extremely Rare, Worth The Risk?

Soweit also zum Thema Vintage-Rolex im kleinen Oyster-Gehäuse.

Wem das an Auswahl noch nicht reicht, dem seien Vintage Rolex-Modelle wie die Datejust, die Oysterquartz und generell alle weiteren Rolex-Referenzen mit 34 bis 36 Millimeter ans Herz gelegt. Es dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Mehr lesen

Batman und Pepsi: Die Geschichte zweier legendärer Rolex Modelle

Die besonderen Zifferblätter der Rolex Daytona

Die Rolex Oyster Perpetual 77014: Eleganter kann eine Damenuhr kaum sein!


Über den Autor

Theodossios Theodoridis

Seit den 80er und 90er Jahren ist Theo von Uhren begeistert und besitzt heute ca. 40 Stück – darunter Zeitmesser von Omega, Sinn oder Heuer. Über die neuesten Fundstücke …

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