Was ist der Unterschied zwischen Quarzuhren und mechanischen Uhren?

Mathias Kunz
09.08.2018

 

Beide ticken, die eine ziemlich oft, die andere etwas weniger. Die Rede ist von mechanischen und quarzgesteuerten Uhren. Doch was unterscheidet diese beiden Uhrentypen voneinander?

 

So funktioniert eine mechanische Uhr

Egal ob mechanisch oder quarzgesteuert – beide Typen zeigen die Uhrzeit an. Die wesentlichen Unterschiede sind im Inneren zu suchen. Mechanische Uhren sind die klassischere Variante, die im Grunde noch genauso funktioniert wie vor 100 Jahren.

Jede Uhr benötigt zunächst einen Energiespeicher. Bei mechanischen Uhren ist das für gewöhnlich eine Feder, die im Federhaus sitzt. Je nach Länge der Feder variiert die Gangreserve einer mechanischen Uhr. Hiermit ist die Dauer gemeint, bis der Zeitmesser stehen bleibt. Die Gangreserve beläuft sich bei den meisten Modellen auf rund 40 Stunden, kann aber auch mehrere Tage oder sogar Wochen betragen.

Ein Räderwerk überträgt – stark vereinfacht ausgedrückt – die gespeicherte Energie an das Schwingsystem. Dieses ist der eigentliche Taktgeber einer jeden Uhr, also das Herzstück. Das Schwingsystem besteht bei mechanischen Armbanduhren in der Regel aus Unruh, Ankerrad und Anker. Das Zusammenspiel dieser Bauteile ist auch für das Tick-Geräusch verantwortlich – je höher die Unruhfrequenz, umso schneller das Ticken. Auch der Sekundenzeiger bewegt sich mit steigender Schwingungszahl flüssiger. Die Frequenz beträgt für gewöhnlich 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (A/h), was 4 Hz entspricht.

 

 

Und so eine Quarzuhr

Quarzuhren haben ein vollkommen anderes Funktionsprinzip. Als Energiespeicher dient für gewöhnlich eine Knopfzelle, also eine Batterie. Wenn sie nicht wiederaufladbar ist, kann sie die Uhr für mehrere Jahre antreiben. Ist ihre Energie erst einmal aufgebraucht, müssen Sie die Batterie durch eine neue ersetzen.

Als Taktgeber kommt ein Uhrenquarz zum Einsatz. Dieser fängt an zu schwingen, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Man spricht vom umgekehrten piezoelektrischen Effekt. Die Form des Uhrenquarzes ähnelt oft einer Stimmgabel. Die Frequenz beträgt meistens 32.768 Hz und ist damit deutlich höher als bei einer mechanischen Uhr. Deshalb sind Quarzuhren auch deutlich ganggenauer.

Eine Schaltung teilt die Frequenz so lange durch zwei, bis der Sekundentakt erreicht ist. Das ist auch der Grund dafür, dass sich der Sekundenzeiger pro Sekunde um einen Schritt vorwärtsbewegt. Hat die Uhr keine Zeiger, so übernehmen meistens LCD-Bildschirme die digitale Zeitanzeige.

 

 

Vor- und Nachteile von Quarzuhren

Quarzuhren bieten viele Vorteile: Sie sind günstig, ganggenau und relativ langlebig. Viele Modelle bekommen Sie schon für rund 100 EUR, die Gangabweichung beträgt nur etwa 30 Sekunden im Monat und die Lebensdauer einer Batterie liegt bei ca. 1-2 Jahren.

Allerdings müssen Sie leere Batterien entsorgen und durch neue ersetzen. Das ist nicht nur umweltschädlich, sondern auch ungünstig für die Wasserdichtheit Ihrer Armbanduhr. Denn wenn Sie den Gehäuseboden für den Batteriewechsel geöffnet haben, ist die angegebene Wasserdichtigkeit nicht mehr gewährleistet. Spätestens jetzt empfiehlt sich eine Überprüfung der Dichtheit Ihrer Armbanduhr.

Quarzuhren mit Solarzellen nutzen die Kraft der Sonne, um sich mit Energie zu versorgen. Bei diesen Solaruhren entfällt also das regelmäßige Wechseln der Batterie. Die Lebensdauer des Energiespeichers ist jedoch ebenfalls begrenzt, sodass irgendwann ein Austausch stattfinden muss.

Darüber hinaus sind die meisten Quarzuhren nicht als Investment geeignet. Wenn Sie vergleichsweise wenig Geld für Ihre neue Armbanduhr ausgeben, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Wertsteigerung äußerst gering. Dafür können Sie gebrauchte Quarzuhren oft sehr günstig erstehen – auch wenn sie vor ein paar Jahren noch mehrere Hundert Euro gekostet haben.

 

 

Vor- und Nachteile von mechanischen Uhren

Mechanischen Uhren geht eigentlich nie die Puste aus. Vorausgesetzt Sie ziehen Ihre Uhr regelmäßig auf. Da dieser Uhrentypus gänzlich auf Batterien verzichtet, ist er deutlich umweltschonender. Auch das Öffnen des Bodens entfällt für viele Jahre. Allerdings empfiehlt sich nach 5-10 Jahren eine Revision beim Uhrmacher, denn die kleinen Bauteile verschleißen mit der Zeit. Auch Schmierfette und Öle können mit den Jahren verharzen. Das passiert vor allem dann, wenn eine mechanische Uhr über einen längeren Zeitraum stillgestanden hat. Bei einer Revision überprüft der Uhrmacher die komplette Uhr, reinigt das Uhrwerk und trägt neue Schmierfette sowie Öle auf.

Bei der Ganggenauigkeit sollten Sie ein paar Abstriche in Kauf nehmen. Selbst als Chronometer zertifizierte Uhren – also sehr ganggenaue Zeitmesser – dürfen pro Tag 4 Sekunden nach- bzw. 6 Sekunden vorgehen. Auf eine Woche hochgerechnet sind das 28 bzw. 42 Sekunden. Den direkten Vergleich mit Quarzuhren verlieren sie also deutlich.

Dafür haftet jeder mechanischen Uhr ein handwerklicher Charme an. Dieser Charme bringt etwas Nostalgisches mit sich und zieht viele Uhrenliebhaber in seinen Bann. Letztlich hat er auch zum Boom rund um die mechanischen Uhren beigetragen und die Preise in die Höhe getrieben.

In erlesenen Zeitmessern von Patek Philippe, Audemars Piguet oder Vacheron Constantin steckt sogar noch sehr viel Handarbeit. Das steigert die Begehrlichkeit und natürlich die Preise. Bei günstigeren Modellen anderer Hersteller kommen industrielle Fertigungsmethoden zum Einsatz. Das Funktionsprinzip einer mechanischen Armbanduhr hat sich im letzten Jahrhundert jedoch kaum verändert.

 

 

Unterschied von Handaufzug und Automatik

Mechanische Uhren lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: in Uhren mit Handaufzug und in Uhren mit Automatik. Letztere verfügen über ein Aufzugssystem, das die Uhr während des Tragens selbständig aufzieht. In der Regel gibt es hierfür eine Schwungmasse, auch Aufzugsrotor genannt, die beim Tragen hin- und herschwingt und so die Feder spannt. Sie müssen also nicht alle paar Tage daran denken, Ihre Armbanduhr von Hand mit Energie zu versorgen – wie es bei Handaufzugsuhren der Fall ist. Im Grunde läuft eine Automatikuhr dauerhaft, wenn Sie sie täglich tragen.

 

 

Lesen Sie weiter:

Berühmte Uhren-Kaliber

Großartige Quarzuhren

Kein Mensch braucht eine mechanische Uhr. Wir sagen Ihnen die Gründe, warum Sie trotzdem eine haben wollen.


Mathias Kunz
Von Mathias Kunz
09.08.2018
Alle Beiträge ansehen

Highlights

Sie haben Fragen?
Wir helfen Ihnen gerne weiter.

+1 646-887-3560

Kontakt