07/07/2022
 6 Minuten

Wird Omega jemals so gut sein wie Rolex?

Von René Herold
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Rolex und Omega sind zwei der größten und bekanntesten Marken der Uhrenwelt. Doch während Rolex synonym für den Begriff Luxusuhr steht, haftet Omega chronisch das Image der grauen Maus an. Warum ist das so und sind die Vorurteile berechtigt? Ist Rolex wirklich besser als Omega? Finden wir es heraus. 

Omega vs. Rolex – Kampf der Titanen

Werfen wir also einen genaueren Blick auf die beiden Branchenriesen. Sowohl Omega als auch Rolex können auf mehr als 100 Jahre Geschichte zurückblicken. Omega ist sogar ein gutes halbes Jahrhundert älter als Rolex und war bereits ein etablierter Uhrenhersteller, als Rolex-Gründer Hans Wilsdorf sein Unternehmen im Jahr 1905 gerade erst aus der Taufe hob. 

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Uhrengiganten ist, dass es sich in beiden Fällen um große Industrieunternehmen handelt. Sie haben Tausende Mitarbeiter, nutzen modernste Fertigungsmethoden und produzieren jeweils mehr als eine halbe Million Uhren im Jahr. Rolex ist allerdings noch immer ein unabhängiges Unternehmen, während Omega seit den frühen 1980er-Jahren zur heutigen Swatch Group gehört. 

Rolex und Omega: Motoren der Uhrenindustrie  

Beide Unternehmen haben die Uhrenindustrie nachhaltig geprägt. Omega gehörte beispielsweise zu den ersten Uhrenherstellern überhaupt, die eine standardisierte Serienproduktion einführten. Ein weiteres Verdienst der Bieler Manufaktur war die Perfektionierung der von George Daniels entwickelten Co-Axial-Hemmung. Diese Art der Hemmung gilt als eine der letzten echten Neuentwicklungen der Uhrenwelt. Ihr Reibungswiderstand ist deutlich geringer als der einer herkömmlichen Anker-Hemmung, was sie wartungsärmer macht und zu besseren Gangwerten führt. 

Rolex auf der anderen Seite hat in seiner Geschichte unzählige Patente eingereicht. Dazu gehören unter anderem die verschraubte Aufzugskrone sowie der zentrale Aufzugsrotor – zwei Technologien, die aus der Uhrenwelt nicht mehr wegzudenken sind. 

Omega und Rolex gehören zudem zu den Pionieren im Bereich Wasserdichtheit. So präsentierte Rolex in den 1920er-Jahren mit dem Oystergehäuse das erste wasserdichte Gehäuse einer Armbanduhr überhaupt. Rolex nutzt die Konstruktion bis heute für nahezu alle seine Uhren. 

Omega kann dafür für sich verbuchen, die erste kommerziell erhältliche Taucheruhr auf den Markt gebracht zu haben. Die Omega Marine feierte 1932 ihre Premiere, war bis 135 m (13,5 bar) wasserdicht und mit einer Faltschließe mit Tauchverlängerung ausgestattet. 

Bis zum heutigen Tag tobt zwischen Rolex und Omega ein Kampf darum, wer in Sachen Wasserdichtheit den Hut aufhat. So tauchte die experimentelle Rolex Deepsea Challenge 2012 an der Außenhaut von James Camerons Tauchboot Deepsea Challenger in eine Tiefe von 10.908 m hinab – tiefer als je eine Uhr getaucht war. Sieben Jahre später brach Omega den Rekord für die wasserdichteste Uhr, als sie die Seamaster Planet Ocean Ultra Deep Professional am Tauchboot von Victor Vescovo 10.928 m in die Tiefe schickte. Auch bei den Serienmodellen hat Omega in diesem Bereich wieder die Nase vorn. Die Planet Ocean 6000M Ultra Deep schlägt mit ihren 6.000 m (600 bar) Wasserdichtheit die 3.900 m (390 bar) der Rolex Sea-Dweller Deepsea deutlich.  

Rolex vs. Omega: Spitzensport und 007  

Beide Unternehmen hegen zudem enge Beziehungen zum Sport. Omega ist seit Jahren offizieller Zeitnehmer der Olympischen Spiele, der Internationalen Bob- und Skeletonförderation (IBSF) sowie des America’s Cup. Rolex engagiert sich dagegen im Tennis, der Formel 1 sowie im Golfsport. 

Und wir wollen auch nicht vergessen zu erwähnen, dass sich beide Marken damit rühmen können, Uhrenlieferanten des berühmten Geheimagenten James Bond zu sein. 

Better Than the Non-Spy Version? Review of the Omega Seamaster Diver 300M 007 Edition

Rolex vs. Omega: Uhren-Ikonen und Design-Klassiker

Sowohl Omega als auch Rolex besitzen in ihrem Programm einen reichen Schatz an Design-Ikonen und Kultuhren. Einer der größten Unterschiede zwischen beiden Herstellern liegt jedoch in der Art und Weise, wie sie ihren jeweiligen Produktkatalog aufstellen. Schaut man sich die Kollektion von Rolex an, erkennt man schnell, dass fast jede Modellreihe mindestens 50 Jahre auf dem Buckel hat und sich die einzelnen Modelle in dieser Zeit nur marginal verändert haben. Und selbst neu entwickelte Modelle wie die Yacht-Master II oder die Sky-Dweller basieren in weiten Teilen auf den wohlbekannten Rolex-Klassikern. Das kann man natürlich langweilig finden, doch Fakt ist auch, dass Uhren von Rolex absolute Design-Klassiker sind – tausendfach kopiert, nur selten erreicht. 

Omega geht einen etwas anderen Weg. Hier verzweigen sich die einzelnen Modellreihen meist in mehrere Untermodelle, die ihrerseits in unzähligen Variationen angeboten werden. Allein von der Speedmaster Professional Moonwatch – Omegas wahrscheinlich bekanntester Uhr – gibt es im Juni 2022 beispielsweise 16 verschiedene Ausführungen. Und die Moonwatch-Reihe ist nur eine von sechs Speedmaster-Kollektionen, die ihrerseits eine große Zahl an Varianten bieten. Ähnlich sieht es auch bei den Kollektionen Seamaster, Constellation oder De Ville aus. 

Die aktuellste Speedmaster verfügt dank Co-Axial Werk über die modernere Technik.

Zu den Standardmodellen gesellen sich zudem regelmäßig Sonderauflagen und Limited Editions. Anlässe gibt es viele: Olympische Spiele, Jubiläen im Zusammenhang mit der Mondlandung oder der neueste James-Bond-Streifen sind nur einige. 

Die schiere Zahl an Modellen und Modellvarianten machen das Programm von Omega also etwas unübersichtlich und ein gutes Stück beliebig. Auf der anderen Seite lebt Omega jedoch nicht in der Vergangenheit, sondern geht häufig neue Wege. Zwar sind auch die Klassiker aus der Firmenhistorie nach wie vor im Programm vertreten, doch peppt Omega seine Kollektion immer wieder mit neuen Designs auf, nutzt neue Technologien und Werkstoffe. Ein Beispiel ist die Seamaster Aqua Terra 150M Ultra Light. Bei dieser Uhr besteht nicht nur das Gehäuse aus Titan, Omega fertigt auch den Großteil des Uhrwerks aus diesem Material. Deswegen bringt die Uhr inklusive Textilarmband nur 55 g auf die Waage. 

Rolex vs. Omega: Chronometer der Superlative vs. Master Chronometer

Damit wären wir bei einem weiteren Unterschied: den verwendeten Kalibern. Rolex bietet seit der Jahrtausendwende ausschließlich Uhren mit mechanischem Antrieb an. Bei Omega finden Sie hingegen auch Uhren mit Quarz-Kalibern wie die Speedmaster Skywalker X-33, die zur offiziellen Ausrüstung der Astronauten der European Space Agency ESA gehört. 

Was die mechanischen Kaliber betrifft, gelten beide Marken als äußerst zuverlässig. Rolex lässt seine Uhrwerke standardmäßig von der Schweizer Kontrollstelle für Chronometer COSC zertifizieren und unterzieht die Werke anschließend einem internen Test. Besteht das Werk, bekommt es das Prädikat „Superlative Chronometer“. Dies besagt, dass die Uhr am Tag maximal + 2 / – 2 Sekunden von der Normzeit abweicht, die angegebene Wasserdichtheit erreicht und über die versprochene Gangreserve verfügt. 

Omega lässt seine Uhren seit einigen Jahren vom Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS als Master Chronometer zertifizieren. Dieses Gütesiegel bekommen nur Uhren, die am Tag nicht mehr als + 0 / – 5 Sekunden abweichen, ihre angegebene Wasserdichtheit unter Beweis gestellt haben und Magnetfeldern von bis zu 15.000 Gauß widerstehen. 

Die Bieler Manufaktur wagt auch des Öfteren Ausflüge in die Haute Horlogerie, also die hohe Uhrmacherkunst. So gehören unter anderem Uhren mit Jahreskalender, Weltzeitanzeige, Tourbillon oder skelettierten Uhrwerken zum Angebot von Omega. Rolex konzentriert sich eher auf die Brot- und Butterfunktionen einer Armbanduhr wie Chronograph, GMT- oder Day-Date-Anzeige. Einzige Ausnahme bildet momentan die Sky-Dweller, die über einen speziellen GMT-Mechanismus sowie einen Jahreskalender verfügt.  

Rolex vs. Omega: Der Prestige-Faktor  

Wie wir bis hierher sehen konnten, nehmen sich Uhren von Omega und Rolex bei Lichte betrachtet wenig. Beide haben ihre Stärken und Schwächen und am Ende des Tages sollte der persönliche Geschmack entscheiden, ob man sich für einen Zeitmesser der Manufaktur aus Biel oder aus Genf entscheidet. 

Die Realität sieht jedoch etwas anders aus, denn beim Kauf einer Uhr spielen häufig Faktoren wie Prestige oder Wertentwicklung eine entscheidende Rolle. Und in diesen Bereichen hat Rolex ganz klar die Nase vorn. Cleveres Marketing und eine strikte Produktpolitik haben die Marke mit der Krone im Logo zum Quasi-Standard für Luxusuhren gemacht. Es gibt auf der Welt wohl niemanden, der den Begriff Luxusuhr nicht mit Rolex assoziiert. Dies sorgt für eine enorm hohe Nachfrage, die Rolex jedoch nicht gewillt ist, vollumfänglich zu befriedigen. Eine hohe Nachfrage bei gleichzeitig geringer Verfügbarkeit sorgt wiederum für steigende Preise auf dem Sekundärmarkt, was wiederum bei vielen den Eindruck erweckt, Rolex-Uhren müssten etwas Besonderes sein. 

Wenn Sie jedoch eine Uhr von Omega Ihr Eigen nennen möchten, können Sie in den meisten Fällen zum Händler Ihrer Wahl gehen und die Uhr einfach mitnehmen. Auf dem freien Markt werden viele Omega-Modelle sogar unter dem empfohlenen Verkaufspreis angeboten, was dazu führt, dass diese Uhren als weniger wertig wahrgenommen werden. 

Rolex vs. Omega: Fazit

Ist Rolex also die bessere Wahl gegenüber Omega? Wenn Sie Ihre Uhr primär als Prestigeobjekt oder Investment betrachten, dann lautet die Antwort: Ja. Wollen Sie hingegen einfach eine gute Uhr mit präzisem Gang, erstklassiger Verarbeitung und eigenständigem Design, sind Omega und Rolex mindestens gleichauf. In vielen Fällen ist Omega sogar die bessere Wahl. Schlussendlich sollten Sie sich für die Uhr entscheiden, die Ihnen am besten gefällt. Und es ist übrigens nicht verboten, Uhren beider Marken in der Sammlung zu haben. 


Über den Autor

René Herold

Mein Name ist René Herold und ich bin durch eine Stellenausschreibung auf Chrono24 aufmerksam geworden. Ich muss ehrlich zugeben, dass Uhren vor meinem Engagement bei …

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