EinloggenEinloggen

Jahresrückblick Luxusuhren 2016

Robert-Jan Broer
23.12.2016
Artikel teilen:
Jahresrückblick Luxushren 2016 Jahresrückblick Luxushren 2016
Robert-Jan Broer
23.12.2016

Das Jahr 2016 ist fast vorbei. Ein guter Moment also, um innezuhalten und dieses Jahr hinsichtlich Uhrenmodelle und Uhrenindustrie Revue passieren zu lassen. Es wurde viel über den aktuellen Zustand der Uhren-Branche geschrieben, aber was heißt das alles für Uhrenkäufer? Und was bedeutet das für die Zukunft? Das sind die Fragen, die wir zu beantworten versuchen werden. Daneben geht es uns hier natürlich auch um die Uhren-Modelle, die uns 2016 am meisten begeistert haben.

Zustand der Uhrenbranche

2016 war ein hartes Jahr für die Uhrenindustrie. Allenthalben war die weltweite Wirtschaftskrise zu spüren, speziell in Asien und Russland war die Kauflaune getrübt. Nun erholt sich zwar die Wirtschaft in Europa langsam wieder und vielleicht auch die in den USA. Allerdigs heißt das nicht, dass Konsumenten ihr Geld auch gleich wieder für Luxusgüter wie Uhren ausgeben.

Käufer erwarten einen echten Mehrwert von Uhren, wenn sie ihr hart verdientes Geld dafür ausgeben. Das trifft sowohl auf bezahlbare Uhren als auch auf sehr komplexe, hochpreisige Modelle zu. Dennoch sieht es so aus, als gebe es immer Interesse an wirklich verrückten, extravaganten Modellen wie der Audemars Piguet Royal Oak Concept Supersonnerie oder der neuesten Kreation von MB&F.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Tag Heuer FORMULA 1

Tag Heuer FORMULA 1, Bild: © Bert Buijsrogge

Hersteller wie IWC, Rolex, Omega und Breitling haben erkannt, dass der Markt zurzeit schwierig ist. Die Käufer wollen den Eindruck vermittelt bekommen, dass ihnen ihr Geld nicht wie selbstverständlich aus der Tasche gezogen wird. Rolex zum Beispiel hat drei schöne Modelle in einer interessanten Preislage (unter 6.000 EUR), die Oyster Perpetual 39, die Air King und die Explorer. Diese Uhren haben ein außergewöhnlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und sind von einigen Uhren wie zum Beispiel Baume & Mercier oder Montblanc preislich nicht weit entfernt.

Eine ähnliche Strategie, die auch gut zu funktionieren scheint, ist die von TAG Heuer. Als Jean-Claude Biver das Ruder übernahm, entschied er sich, die Produktion einiger High-End-Modelle einzustellen. Seiner Ansicht nach existiert für TAG-Heuer-Uhren jenseits eines bestimmten Preislevels keine Zielgruppe mehr. Stattdessen setzte er vermehrt auf junge Markenbotschafter für Formel-1-Modelle, die schon für weniger als 1.500 EUR über den Ladentisch gehen. Zudem brachte er erfolgreich die TAG Heuer Connected auf den Markt, die designtechnisch der Carrera-Serie ähnelt. Vielen wurde das Gefühl vermittelt, dass sie mit einer TAG Heuer-Uhr für 1.500 EUR eine Marke der ersten Liga erwerben – Biver hatte also mal wieder den richtigen Riecher.

Vintage-Uhren

Heuer Autavia

Heuer Autavia, Bild: Auctionata

Vintage-Uhren rücken bei allen Ziel- und Preisgruppen immer mehr in den Fokus. Obwohl Rolex und Patek noch immer die meisten Auktionen dominieren (kürzlich fiel der Hammer bei Phillips für eine Patek Philippe Ewiger Kalender Chronograph Referenz 1518 bei 11 Mio. CHF), erzielten auch andere Hersteller wie Heuer (Autavia) oder Omega (Speedmaster) sowie einige unbekanntere Marken sehr gute Ergebnisse. Für Modelle und Marken mit interessanter Historie gibt es so gut wie immer Interessenten. Glücklicherweise gibt es auch nach wie vor noch wunderbare Vintage-Uhren zu erschwinglichen Preisen.

Die Uhr, die (fast) jeder will

Rolex Daytona 116500

Rolex Daytona 116500, Image: © Bert Buijsrogge

Gerade als wir dachten, die Rolex Daytona wäre schon fast zu einem gewöhnlichen Anblick geworden, weil sie teilweise bei Händlern verfügbar war, legte Rolex den Zeitmesser mit leicht verändertem Zifferblattdesign und einer Keramik-Lünette neu auf. Die neue Daytona war der Star der Baselworld 2016. Die Nachfrage ist immer noch so groß, dass der Preis auf dem Markt deutlich höher ist als der Listenpreis. Dadurch stieg umgehend auch der Preis des Vorgängermodells der Daytona in Edelstahl, wie eigentlich immer bei dieser legendären Uhr.

Der 40. Geburtstag der Nautlius

Patek Philippe Nautilus Jubiläum Special Editions

Patek Philippe Nautilus Jubiläum Special Editions, Bild: Patek Philippe

2016 war auch das Jahr der Patek Philippe Nautilus. Während es im ersten Halbjahr sehr still war, begannen im Sommer die ersten Gerüchte über einer Neuauflage der Nautilus. Ein paar Monate später war es dann endlich soweit, auch wenn es nicht das war, was sich viele Liebhaber erhofften: Das Standardmodell Referenznummer 5711/1A in Edelstahl wurde nicht erneuert, Patek Philippe stellte stattdessen zwei limitierte Editionen vor.

Es gibt eine Variante der Nautilus Referenz 5711 in Platin von 700 Stück mit Jubiläumsinschrift und baguette-diamantenen Indexen auf dem Zifferblatt sowie 1.300 Stück des Nautilus Chronograph in Weißgold, ebenfalls mit baguette Stundenindexen und Inschrift auf dem Zifferblatt. Diese Uhren werden in einer schönen Box aus Kork geliefert, was an die ersten Nautilus Modelle mit der Referenz 3700 aus den 1970er-Jahren erinnert.

Viele Sammler hatten auf eine schlichte, am Original von 1976 orientierte Nautilus in Edelstahl ohne Sekundenzeiger gehofft. Für diese Uhrensammler gibt es nun zwei Optionen: Entweder ein original Vintage-Modell 3700 kaufen oder warten, bis Patek Philippe ihre Wünsche eines Tages vielleicht doch noch erfüllt. Eine ähnliche Situation gab es bei Rolex im Jahre 2013, als die Jubiläums-Daytona in Platin vorgestellt wurde.

Erfolg mit bewährten Modellen

Tudor Heritage Black Bay

Tudor Heritage Black Bay, Bild: © Bert Buijsrogge

Letztlich haben wir 2016 häufig alten Wein in neuen Schläuchen präsentiert bekommen. Die meisten Marken trauten sich einfach nicht, mit neuen Designs aufzuwarten und verließen sich auf die Strahlkraft ihrer alten Modelle und Kollektionen. Die beliebte Oris Divers Sixty-Five zum Beispiel kam 2016 in 20 neuen Varianten auf den Markt: von größeren Gehäusen über verschiedene Zifferblattfarben bis zu der Bronze-Version Carl Brashear. Das ist natürlich in Ordnung, aber manchmal ist der Grat zwischen einfach nur „die Kuh melken” und „traditionellem Design treu bleiben” sehr schmal. Das gilt auch für andere Marken: Die Omega Seamaster Planet Ocean gibt es nun in Keramik (so wie auch die Dark Side of the Moon Speedmaster), die Tudor Heritage Black Bay erschien nach Burgunderrot, Blau, Schwarz nun auch mit schwarzem Gehäuse mit PVD-Beschichtung und einer Variante in Bronze.

Und dennoch: Tudor gewann mit den neuen Manufakturwerken in der Heritage Black Bay den Grand Prix in Genf. Später in diesem Jahr (im November) brachten sie noch eine Version der Pelagos mit der Krone auf der linken Seite heraus. Es scheint dem Haus ganz gut zu gehen, sie bauen eine solide Kollektion auf, die vergleichbar ist mit der Diver-Sixty-Five-Serie von Oris. Trotzdem hoffen wir darauf, in den kommenden Jahren neue Designs und eigenständige Modelle zu Gesicht zu bekommen.

Der Kunde hat die Macht

Zum Jahreswechsel braut sich etwas zusammen am Himmel der Uhrenindustrie. Entlassungen von Mitarbeitern und das gleichzeitige Engagement von Markenbotschaftern für neue „Special-Editions” scheint keine nachhaltige Strategie zu sein. Wir können auch keine Patentlösung präsentieren, aber wie bereits angemerkt, erwarten Konsumenten auch von Luxusgütern mittlerweile einen realen, harten Gegenwert. Ganz gleich, ob es sich dabei um eine Uhr für 2.000 EUR oder einen Zeitmesser mit Komplikationen für 60.000 EUR handelt.

Wir denken, es ist an der Zeit, dass die Führungskräfte in der Uhrenindustrie erkennen, dass es seit langer Zeit – seit zu langer Zeit – an einer Verbindung zu den Uhrenkäufern mangelt. Die CEOs haben entschieden, was gut für ihre Kunden ist und übersehen dabei, dass es sich um intelligente Menschen handelt, die genau wissen, was und wie sie es wollen. Es ist an der Zeit, diesen Kunden mehr Gehör zu schenken, so wie es in anderen Luxusgüter-Bereichen schon lange der Fall ist!

Ausgewählte Beiträge

20.04.2016 von
Weiterlesen
08.03.2016 von
Weiterlesen