02/13/2024
 5 Minuten

Drei eingestellte Uhrenmodelle mit unglaublichen Preisentwicklungen

Von Sebastian Swart
Rolex-Submariner-2-1

Alle Jahre wieder beginnen sie: die wilden Spekulationen darüber, welche Luxusuhrenhersteller wohl das Produktionsende welcher seiner angestaubten Modelle bekannt geben wird. In Foren und Fachpublikationen treten echte und selbst ernannte Experten auf den Plan und orakeln, ob es die geliebte Rolex Submariner oder Omega Speedmaster in ihrer aktuellen Form in wenigen Wochen noch geben wird. Was die Uhrenfans außerdem umtreibt, ist die Frage, was für einen abgehobenen Preis man fortan für das Objekt der Begierde berappen müsste, sollte sich das Orakel tatsächlich bewahrheiten?

Allem Sarkasmus zum Trotz ist es ein Fakt, dass die Preise bestimmter eingestellter Luxusuhren kurz nach Bekanntwerden ihres Ganges in die horologische Mottenkiste eine rasante Bergrallye erfahren haben. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Patek Philippe Nautilus 5711, deren Preis sich nach ihrem Produktionsstopp im Jahr 2021 kurzfristig vervielfachte. In diesem Artikel betrachten wir drei eingestellte Uhren, deren Preise nach ihrem Produktionsende spürbar angestiegen sind und die bis heute einen beachtlichen Wert darstellen.

1. Omega Speedmaster Professional Moonwatch

Unser erstes Beispiel ist ein allseits beliebter Klassiker: die Omega Speedmaster Professional Moonwatch Ref. 311.30.42.30.01.005 mit Hesalitglas. Die Bieler Manufaktur produzierte diese wohl bekannteste Speedmaster-Variante nahezu unverändert zwischen 1968 und 2021. Sie ist die direkte Nachfolgerin der Speedmaster Professional Ref. 105.012, die der US-amerikanische Astronaut Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 trug, als er als einer der ersten Menschen den Mond betrat. Der größte nennenswerte Unterschied ist im verwendeten Kaliber zu finden. Während in Buzz Aldrins Speedmaster ein Kaliber 321 mit Säulenrad-Chronograph den Takt vorgibt, tickt in der Nachfolgerin ein Kaliber 861 bzw. 1881 mit Kulissenschaltung. Alle drei Uhrwerke basieren auf dem Lemania 2310.

Einer der weltweit gefragtesten Chronographen – die Omega Speedmaster Professional 310.30.42.50.01.001
Einer der weltweit gefragtesten Chronographen – die Omega Speedmaster Professional 310.30.42.50.01.001

Omega stellte die Speedmaster Ref. 311.30.42.30.01.005 im Januar 2021 ein und ersetzte das Modell durch die Nachfolgerin 310.30.42.50.01.001. In der Folge stieg der durchschnittliche Marktpreis der Vorgängerin schlagartig an. Eine bemerkenswerte Entwicklung – ist dieses Modell doch millionenfach erhältlich und somit alles andere als rar. Doch mit der Preisentwicklung unterstreicht diese Moonwatch einmal mehr ihren Ikonenstatus als einer der beliebtesten Chronographen weltweit.

In Zahlen ausgedrückt: Kostete ein neuwertiges Exemplar der 311.30.42.30.01.005 im Januar 2021 noch rund 4.400 EUR, kletterte der Preis bis Januar 2022 auf über 5.300 EUR. Im selben Monat des Jahres 2023 lag der Preis bereits bei ca. 6.400 EUR. Prozentual entspricht dies einer Preissteigerung von 45 % seit 2021. Wer sich also noch vor der Einstellung der alten Moonwatch ein Exemplar sichern konnte, kann sich heute über eine sehenswerte Rendite freuen.

2. Rolex Submariner Date 116610LN

Keine Frage: Die Rolex Submariner – ob mit oder ohne Datum – ist die unangefochtene Königin unter den klassischen Taucheruhren. Ihre Popularität ist seit ihrer Vorstellung im Jahr 1954 ungebrochen, das stilprägende Design gilt heute als Blaupause für Uhrenhersteller aller Preisklassen. Rolex betreibt bekanntermaßen bei all seinen Kollektionen eine äußerst behutsame Modellpflege, verändert oft nur winzige Details. Von dieser Herangehensweise profitiert auch die Submariner, die immer als solche zu erkennen ist. Außerdem passt die Uhr trotz oder gerade wegen ihres sportlichen Charakters zu praktisch allen Gelegenheiten.

Rolex produzierte die Submariner Date mit der Referenznummer 116610LN zwischen 2010 und 2020. Sie war die erste Submariner, bei der Rolex Keramik statt Aluminium für die Lünetteneinlage verwendete. Seither setzt die Manufaktur zudem auf die hauseigene Leuchtmasse Chromalight für die Indizes. Die Substanz leuchtet blau nach und ersetzte die zuvor verwendete Superluminova. In der Uhr tickt das Rolex-Manufakturkaliber 3135, das eine Gangreserve von 48 Stunden bietet.

Die erste Rolex Submariner Date mit Keramiklünette – Ref. 116610LN
Die erste Rolex Submariner Date mit Keramiklünette – Ref. 116610LN

Nachdem Rolex die Submariner Date 116610LN im September 2020 eingestellt hatte, zogen die Preise sofort spürbar an. Kostete das Modell im August 2020 noch knapp unter 11.000 EUR, waren im Oktober desselben Jahres bereits über 12.400 EUR fällig. Im Januar 2023 waren die Käufer bereit, rund 14.000 EUR für ein neuwertiges Exemplar auszugeben. Ihren Peak erlebte das Modell mit fast 16.500 EUR im April 2022. Seither pendeln sich die Preise bei ca. 13.800 EUR ein. Schlussendlich legte diese eingestellte Rolex Submariner Date seit 2020 um über 25 % im Wert zu.

3. Audemars Piguet Royal Oak 15202ST „Jumbo“

Unser letztes Beispiel für eingestellte Uhren, die stark im Wert zulegten, zeigt besonders eindrücklich, welche Ausmaße die Preisentwicklung einer Uhr nehmen kann. Die Geschichte der Audemars Piguet Royal Oak 15202ST „Jumbo“ ist der der eingestellten Patek Philippe Nautilus 5711 sehr ähnlich. Kein Wunder, ist die Royal Oak doch seit jeher für viele DIE Alternative zum Sportmodell der Kult-Manufaktur aus Genf. Beiden Uhren gemeinsam ist ihr bekannter Designer Gérald Genta, der das Design der Royal Oak im Jahr 1972 ins Leben rief. Charakteristisch und zeitlos ist die achteckige Lünette mit ihren acht Schrauben, das integrierte Armband sowie der sogenannte Bullaugen-Look. Diesen besitzt natürlich auch die Royal Oak 15202ST „Jumbo“ aus Edelstahl. Herzstück dieses Modells bildet das mit einer Bauhöhe von nur 3,05 mm extraflache Manufakturkaliber 2121. Das Uhrwerk basiert auf dem Jaeger-LeCoultre Kaliber 920 und bietet eine Gangreserve von etwa 40 Stunden.

Als François-Henry Bennahmias, seinerzeit CEO von Audemars Piguet, im März 2021 ankündigte, die Referenz 15202ST einzustellen und durch ein anderes Modell zu ersetzen, begann eine wahre Preisrallye. Noch im Februar 2021 war die Uhr für „nur“ rund 36.000 EUR zu haben. Bereits im April des Jahres legten Sammler und Fans der Uhr über 60.000 EUR für ein neuwertiges Exemplar auf den Tisch. Doch das war erst der Anfang einer Preisentwicklung, die ihren Höhepunkt nur ein Jahr später, im März 2022 fand. Zu diesem Zeitpunkt kostete ein neuwertiges Exemplar der 15202ST unglaubliche 112.000 EUR. Wie bei so vielen überspekulierten Luxusuhren setzte schon bald ein Preisverfall ein. Im Januar 2024 können Sie für rund 97.000 EUR zuschlagen. Ein noch immer sehr bemerkenswerter Preis.

Werfen wir auch hier einen kurzen Blick auf die prozentuale Wertentwicklung: Wer eine Royal Oak im Februar 2021 für etwa 36.000 EUR gekauft hat, konnte sie nur ein Jahr später mit einem Gewinn von über 300 % veräußern. Selbst als später Käufer mit einem Einsatz von 60.000 EUR wäre Anfang 2024 noch ein Plus von über 60 % möglich. Damit beweist die 15202ST, dass es sich für manch einen Spekulanten lohnen kann, frisch eingestellte Uhrenmodelle zu handeln.

Eingestellt und plötzlich unglaublich teuer – Audemars Piguet Royal Oak 15202ST „Jumbo”
Eingestellt und plötzlich unglaublich teuer – Audemars Piguet Royal Oak 15202ST „Jumbo“

Das waren nur drei Beispiele für eingestellte Uhren, die im Wert gestiegen sind. Man muss jedoch beachten, dass derartige Preissprünge nur bei einigen wenigen Herstellern der ersten Reihe und nur bei bestimmten Modellen zu erwarten sind. Bemerkenswert ist die Marktentwicklung für diese Uhren jedoch allemal.


Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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